333 Der Angst zum Trotz III - Der Frankenfeldzug
17.09.2026 04:30 Uhr
Die mythische Zugreise geht weiter.
Die treue Buslinie meines Vertrauens bringt mich von meinem Heimatdorf im Spessart, wo ich bei meiner Mutter übernachtet habe, in die schönste Stadt der Welt, also nach Aschaffenburg.
Die 2000 pummeligen Ponys unter der Haube der Regionalbahn tragen den Franken dann später einmal komplett durch Bayern. Vom einen Ende hinein, durchs ganze Königreich, und am anderen Ende wieder hinaus.
Der Bahngott hat den ersten Akt genehmigt und mich abschließen lassen: Nordsee, Ruhrpott, Rheintal, Mainz, Untermain und schließlich der wunderschöne frühherbstliche Spessart.
Akt III also…
Keine Walküren mehr. Dafür Franken. Und Franken sind bekanntlich eine eigene mythologische Spezies. Wir sprechen in Lautverschiebungen, trinken angeblich nur aus Bocksbeuteln (und Bembeln, aber das ist eine randfränkische Erscheinung) und behaupten mit erstaunlicher Überzeugung, garantiert keine Bayern zu sein.
Wir nennen sie Barzis, sie uns Preißen oder Saupreißen… das ist alles halb spaßig, halb historisch gewachsen, doch ich muss insistieren:
„Ein Franke ist noch weniger Preuße, als das er Bayer ist. Die Frage, zu welchem Teil ein Franke Sau(Preuße) ist, hängt von der Menge der konsumierten Schäufele, Bratwürste ect. ab.“
Ich rechne fest damit, dass der Allgleisige unterwegs noch mindestens eine göttliche Prüfung einstreut. Vielleicht einen unerwarteten Gleiswechsel. Vielleicht einfach eine Signalstörung. Über Ver…pätung und P…ünktlichkeit rede ich erst wenn ich angekommen bin, alles andere würde den rätselhaften Bahngott erzürnen.
Die Ponys sind bereit (hoffe ich).
Die edelmütigen Ziele des Frankenfeldzugs
Die gestrige Verwirrung um das Wort Drial-Rad (im Hartdeutschen oder Hartdenglischen: Trial-Rad) machte mir erneut klar dass dieser Feldzug nicht nur nötig, sondern überfällig ist.
Edikt des Feldherrn an die Völker südlich des Mains:
Wir ziehen nicht aus, um Länder zu erobern. Wir ziehen aus, um sie zu erlösen von unaussprechlich harten Lauten, die der Deutschen Sprache unnötigerweise hinzugefügt wurden.
Die Ziele unseres Feldzugs seien daher:
1. Alle übermäßig harten Ts und Ps friedlich einzusammeln und durch wohlklingende fränkische Laute zu ersetzen.
2. Im Bündnis mit den hessischen Freunden auch unnötige CHs in Obhut zu nehmen.
3. Niemandem Schaden zuzufügen, außer übertrieben kantigen Konsonanten.
Wir versprechen allen Unterworfenen Religionsfreiheit (denn der Allgleisige herrscht auch ohne dass man an ihn glaubt) und das Recht, ihre Bratwürste und andere kulinarische Besonderheiten weiterhin nach eigenem Brauch zuzubereiten.
Möge der Allgleisige unsere Anschlüsse bewahren, die Harasböck (Pferde; der Ausdruck wird in Ausnahmefällen auch für PS verwendet) ausdauernd galoppieren und die 2000 pummeligen Ponys den Feldherrn sicher bis an die Alpen tragen.
Servus
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