285 Achtsamkeit als Realitätscheck statt als Ideologie
Kathrin Fischer zerpflückt in ‚Achtsam geht die Welt zugrunde‘ eine Achtsamkeit, die als Allheilmittel verkauft wird und damit Teil des Problems ist. Ihre Kritik: Wenn Achtsamkeit nur bedeutet, dass wir uns besser anpassen an ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Klimakrise oder soziale Ungerechtigkeit, dann ist sie keine Lösung, sondern eine Falle. Diese Kritik halte ich nicht für aus der Luft gegriffen. Wenn Achtsamkeit bedeutet, Menschen beizubringen, immer besser mit schlechten Umständen zurechtzukommen, statt die Umstände selbst anzuschauen oder zu verändern, dann wird aus ihr schnell eine Privatisierung von Problemen. Dann wird nicht gefragt, warum jemand erschöpft ist, sondern nur noch, warum er seine Erschöpfung nicht besser regulieren kann. Und trotzdem habe ich beim Lesen gemerkt, dass ich mit dem Begriff etwas komplett anderes verbinde, als das was hier kritisiert wird. Meine Erfahrung mit Achtsamkeit stammt aus der DBT, der Dialektisch-Behavioralen Therapie...