309 Meine einzige echte Red Flag 🚩
Es wird ein generisches Femininum verwendet, gemeint sind alle Geschlechter.
Ich höre immer darauf, wie Menschen über die reden, die nerven, die im Weg stehen, die unangenehm sind und ganz besonders über ihre ehemaligen Partnerinnen. Nicht, weil ich erwarte, dass jeder immer verständnisvoll und zenartig durch die Welt schwebt. Menschen sind genervt, verletzt, wütend und dann manchmal ungerecht. Das ist schlichtweg menschlich und Freundinnen/Partnerinnen sind auch dafür da sich mal den Frust vom Herzen zu reden.
Aber ich höre darauf, ob andere Menschen in diesen Geschichten noch Menschen bleiben.
Die beste Prüfung sind oft die Ex-Freundinnen. Wenn angeblich jede Ex eine Narzisstin, ein Arschloch oder eine manipulative Dämonin war, werde ich vorsichtig. Nicht, weil das unmöglich wäre. Sondern weil ich mich frage, warum in all diesen Geschichten kein eigener Anteil, kein Zweifel an der eigenen Sicht der Dinge und keine Grautöne vorkommen. Ein einfaches: "Naja, es hat halt nicht gepasst mit uns." ist da schon was wert.
Und der schnelle Alltagstest funktioniert genauso. Wie redet jemand über laute Jugendliche, über die Betrunkene an der Bushaltestelle oder über die Obdachlose, die gerade bettelt? Kommt irgendwann ein Satz wie: „Vielleicht hatte sie einen schlechten Tag." Oder: „Ist schon hart, auf der Straße zu leben." Muss kein Mitleid sein. Nur die Anerkennung, dass da ein Mensch steht.
Denn irgendwann nervt jede mal. Irgendwann enttäuscht jede jemanden. Und wenn Menschen für jemanden in dem Moment ihre Menschlichkeit verlieren, frage ich mich immer, was passiert, wenn ich eines Tages auf dieser Seite der Geschichte stehe.
Menschen dürfen urteilen. Menschen dürfen sagen, dass sie mit etwas nicht klarkommen, ob nun mit einem Verhalten, einer Altersgruppe, einem Lebensstil oder sogar einem bestimmten Geschlecht. Dafür gibt es tausend Gründe, und viele davon sind nachvollziehbar, auch wenn man sie selbst nicht teilt.
Der entscheidende Unterschied liegt für mich nicht darin, dass jemand etwas ablehnt, sondern wie diese Ablehnung sprachlich verortet wird.
„Ich komme mit X nicht klar", "Ich mag nicht wenn jemand X ist." oder ähnliches bleibt im eigenen Erleben. Es beschreibt eine Grenze der eigenen Verträglichkeit, nicht eine Eigenschaft der Welt.
„Alle X sind Y" verschiebt genau diese Grenze nach außen. Aus einem subjektiven Urteil wird eine vermeintliche Tatsache über ganze Gruppen.
Und genau an dieser Stelle beginnt für mich der relevante Unterschied. Jeder Mensch ist mal emotional oder auch unfair, aber worauf ich achte ist, ob jemand noch erkennt, dass es ihr Urteil ist und keine allgemeingültige Beschreibung von Menschen.
Wenn diese Korrektur fehlt, wenn aus einzelnen Erfahrungen stabile Feindbilder werden und Menschen nicht mehr als Individuen gedacht werden, sondern nur noch als Kategorien. Das ist der Punkt, an dem ich vorsichtig werde.
Das ist für mich keine Vorliebe und kein No-Go.
Das ist meine klare Red Flag: Menschen die jedem nervigen Mitmenschen die Menschlichkeit absprechen, sollte man meiden. Sonst gerät man selbst eines Tages an diese Position.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen