Posts

Posts mit dem Label "#philosophie" werden angezeigt.

320 Wir sind die Guten

Für mich ist einer der gefährlichsten Sätze, die ein Mensch über sich selbst sagen kann: „Ich bin ein guter Mensch.“ Warum? Weil dieser Satz scheinbar oft das Ende des Nachdenkens markiert, statt seinen Anfang. Ich frage mich dann immer, was dieser Satz für diese Person eigentlich bedeutet. Wenn möglich, frage ich nach. Die Antworten, die ich im Laufe meines Lebens bekommen habe, haben schließlich zu diesem Text geführt. Ein Ziel, kein Etikett Ich glaube nicht, dass jeder Mensch das Ziel haben muss, gut zu sein. Vielleicht möchte jemand ein großer Künstler werden, eine brillante Wissenschaftlerin, ein religiöser Einsiedler oder einfach ein ruhiges Leben führen. Das sind alles legitime Lebensziele. Keines davon setzt zwingend voraus, ein guter Mensch sein zu wollen. Ich selbst habe mir dieses Ziel gesetzt. (siehe 174 GUT SEIN ) Gerade deshalb möchte ich mir das Urteil „Ich bin ein guter Mensc...

Kapitel 1 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

Bild
Kapitel 1 Bevor es mich gab  Meine Eltern haben sich noch als Kinder auf einem Bauernhof kennengelernt, weil sie beide arbeiten mussten. Die Nachkriegszeit kannte da keine Gnade.  Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits geprägt von einer Kindheit, die ich mir nur schwer vorstellen kann, obwohl ich sie oft erzählt bekommen habe. Sie wurde 1940 geboren, mitten in den Krieg hinein, und ihre frühen Erinnerungen handeln von Dunkelheit im Keller, von Angst, von nicht den Radiosender einstellen dürfen und von Erwachsenen, die selbst Angst hatten. Ihre Eltern waren überzeugte, ich denke das kann ich so sagen, Nationalsozialisten, und blieben es auch bis zu ihrem Tod, die Erziehung war hart, autoritär, durchdrungen von der schwarzen Pädagogik jener Zeit. Hunger, körperliche Arbeit schon als Kind, auch schon früh fast und dann komplett den ganzen Haushalt führen, und auch Misshandlungen, all das gehörte zu ihrem Alltag.  Sie liebte aber auch Bücher, Kino, Musik (besonders Rock...

111 Behandle andere stets so, wie du selbst behandelt werden willst

 Denn wenn du das tust, dann handelt ein Mensch mehr auf dieser Welt so. Wenn du es aufgibst, gibst du eine Möglichkeit auf, dass es überhaupt noch jemand tut. Lässt du es schleifen, dann musst du dich entschuldigen. Neu ansetzen. Wieder versuchen. Denn das ist kein Gefühl, keine Laune, keine Meinung. Das ist ein Grundprinzip. Drei Menschen oder hundert oder dreihundert, die mich scheiße behandeln – sie wischen das nicht weg. Sie ändern nicht, was ich als richtig erkannt habe. Vielleicht handeln sie sogar nach demselben Prinzip und wollen nur anders behandelt werden als ich es will. Das weiß ich nicht. Ich weiß nur: Ich hoffe, ich behandle Menschen gut. Viele reden gern mit mir. Vielleicht ist das schon ein Zeichen. Vielleicht nicht. Ich weiß es nicht. Manchmal bin ich wütend. Manchmal beleidige ich. Manchmal gelingt es mir nicht, mich zu entschuldigen. Aber ich bleibe bei dem Prinzip. Weil es durchdacht ist. Weil es standhält. Nicht nur von Kant, nic...