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Es werden Posts vom Juli, 2026 angezeigt.

322 Lange graue Haare. Ein Abschied.

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 Ich versuche es mit Humor zu nehmen. Was bleibt mir auch anderes übrig? Ich habe meine Haare mein Leben lang gehasst. Sie waren fusselig, dünn, schnell fettig, ständig verknotet und nie dort, wo sie sein sollten. Aus jedem Zopf arbeiteten sie sich wieder heraus, um anschließend im Gesicht herumzufliegen. Und dann war da noch die Farbe. "Aschblond", nennen Friseure das. Ein erstaunlich freundlicher Begriff für das, was ich immer als mausgrau, schmutziggrau oder Straßenköterbraun empfunden habe. 2020 änderte sich etwas. Meine Haare waren damals gerade sehr kurz, naturfarben, und mir fielen die grauen Strähnen auf. Es waren nicht mehr nur einzelne Haare, sondern deutliche Silbersträhnen. Zum ersten Mal hoffte ich darauf, meine Haare mögen zu können. Denn eine Frisur fand ich schon immer wunderschön: lange graue Haare. Bei Männern genauso wie bei Frauen. Sie lasse...

321 Stadtschönheitsdetektive

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  Heute sind es bemalte Wände aus Wilhelmshaven. Morgen vielleicht ein Park in Hagen. Eine Straßenecke in Bitterfeld. Blumen in einem Park in München. Oder der Fischmarkt in Hamburg bei Sonnenaufgang. Dieses Reel ist keine Challenge. Wenn ihr mögt, zeigt die Schönheit eurer eigenen Stadt. Ganz egal, ob sie als schön oder hässlich gilt. Ob als Antwort auf dieses Reel. Oder mit einer Verlinkung. Oder einfach auf eurem eigenen Profil. Oder auf einer anderen Plattform. Ganz wie ihr möchtet. Was wir davon haben? Mehr Schönheit gesehen.

320 Wir sind die Guten

Für mich ist einer der gefährlichsten Sätze, die ein Mensch über sich selbst sagen kann: „Ich bin ein guter Mensch.“ Warum? Weil dieser Satz scheinbar oft das Ende des Nachdenkens markiert, statt seinen Anfang. Ich frage mich dann immer, was dieser Satz für diese Person eigentlich bedeutet. Wenn möglich, frage ich nach. Die Antworten, die ich im Laufe meines Lebens bekommen habe, haben schließlich zu diesem Text geführt. Ein Ziel, kein Etikett Ich glaube nicht, dass jeder Mensch das Ziel haben muss, gut zu sein. Vielleicht möchte jemand ein großer Künstler werden, eine brillante Wissenschaftlerin, ein religiöser Einsiedler oder einfach ein ruhiges Leben führen. Das sind alles legitime Lebensziele. Keines davon setzt zwingend voraus, ein guter Mensch sein zu wollen. Ich selbst habe mir dieses Ziel gesetzt. (siehe 174 GUT SEIN ) Gerade deshalb möchte ich mir das Urteil „Ich bin ein guter Mensc...

319 Jeder Mensch ist ein Mensch

Ic h benutze in diesem Text ein generisches Femininum und meine alle Geschlechter damit, englischsprachige Bezeichnungen bleiben im Original. Wie kann man nur Schimmelkäse mögen? Oder Sauerkraut? Oder Heavy Metal? Oder Tattoos? Oder Piercings? Oder grüne Haare? Fragen dieser Art höre ich dauernd, an mich, aber auch an andere gerichtet. “Wie kann man nur … mögen?” Ich finde diese Frage inzwischen seltsam. Nicht, weil man sie nicht stellen dürfte. Sondern weil sie so tut, als gäbe es darauf eine allgemeingültige Antwort. Frag zehn tätowierte Leute, warum sie Tattoos mögen. Du bekommst möglicherweise zehn verschiedene Antworten. Also… Wie kann man nun Tattoos schön finden? Keine Ahnung! Frag den einen Menschen mit Tattoos den du vor dir hast. Wenn du wissen willst, warum eine Person etwas macht, frag höflich diesen Menschen. Ich glaube nämlich, dass wir viel zu oft über Gruppen reden und viel zu selten mit den einzelnen Leuten. Da sitzt plötzlich “die Motorradfahreri...

318 Warum erzählt ihr mir das? Teil 3: Gedankenexperimente

 Die ersten beiden Texte haben bei mir mehr neue Fragen ausgelöst als beantwortet. Text 1 Text 2 Vor allem eine: Was denkst du eigentlich spontan, wenn jemand zu dir sagt „Ich bin trockener Alkoholiker.“? Vielleicht ist es das wert, mal einen Moment darüber nachzudenken. Je länger ich mich mit den Antworten auf Text 1 beschäftigt habe, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass wir vielleicht gar nicht alle über dasselbe sprechen. Ich sage: „Ich bin trockener Alkoholiker.“ Durch die Antworten scheint sich aber herauszukristallisieren, dass viele eher eine moralische Überlegenheit meinerseits hören, etwa so: „Ich bin freiwillig abstinent, weil ich viel Willenskraft habe.“ Vielleicht liegt genau dort ein Teil des Missverständnisses. Deshalb habe ich angefangen, mit Gedankenexperimenten zu spielen. Nicht, weil Alkoholismus dasselbe wäre wie Diabetes, Zöliakie, Veganismus oder Allergien. Sondern weil Vergleiche manchmal helfen, Kommunikation besser zu verstehen. Ged...

317 Warum erzählt ihr mir das? Teil 2

Vor einigen Tagen habe ich einen Text auf vielen Plattformen veröffentlicht, in dem ich eine Frage stelle, die mich seit Jahren umtreibt: Warum erzählen mir so viele Menschen nach dem Satz “Ich bin trockener Alkoholiker.” ihren eigenen Alkoholkonsum? Den ersten Text (auf Reddit) verlinke ich hier: https://www.reddit.com/r/WriteAndPost/s/TVPptmrPz9 Erst einmal danke für die Antworten. Auch wenn über alle Plattformen verteilt erstaunlich wenige Menschen geschrieben haben: “Ja, das mache ich selbst und deshalb.”, wurden in den Kommentaren verschiedene mögliche Motive genannt oder vermutet. Im Wesentlichen lassen sie sich in drei Gruppen einteilen. 1. Selbstbezogene Motive Einige vermuteten, dass Menschen sich rechtfertigen möchten. Vielleicht geht es um kognitive Dissonanz. Vielleicht um ein schlechtes Gewissen. Vielleicht darum, das eigene Selbstbild zu stabilisieren. Falls so etwas tatsächlich der Grund sein sollte, möchte ich euch sagen: Vor mir braucht ihr euch nicht zu rechtfertigen....

316 Warum erzählst du mir das?

Seit Jahren beschäftigt mich eine Frage. Bevor ich sie stelle, möchte ich ein bisschen was klarstellen. Niemand muss sich wegen dieses Textes schuldig fühlen. Nicht der trockene Alkoholiker. Nicht der nasse Alkoholiker. Nicht der Mensch mit problematischem Alkoholkonsum. Nicht der Partysäufer. Nicht der Gelegenheits- oder Wenigtrinker. Nicht der Abstinenzler. Wenn ich sage: „Ich bin trockener Alkoholiker.“, dann sage ich nichts über dich. Ich sage nicht, dass du zu viel trinkst. Ich sage nicht, dass du abstinent leben solltest. Ich sage nur etwas über mich: “Ich habe eine Alkoholsucht. Deshalb lebe ich abstinent.” Die einzige Information, die für dich unmittelbar relevant ist, lautet eigentlich nur: „Bitte biete mir keinen Alkohol an.“ Ich verspreche übrigens: Ich werde keine Antwort auf meine Frage verurteilen. Ich möchte die Antworten verstehen. Damit allerdings kein Missverständnis entsteht: Es gibt Menschen, an die sich meine Frage ausdrücklich NICHT richtet: Wenn du Angst hast, ...

315 Communities und Influencer-Werbung

 Influencer-Communities und Werbung Dieser Text entstand aus den weiterführenden Gedanken zu den Kommentaren zum Text Vapes - Déjà-vu eines Rauchers . Außerdem knüpft er an zwei ältere Texte von mir an: einen über parasoziale Beziehungen und einen sehr augenzwinkernden Text Holy . Der Text arbeitet wieder mit einem generischen Femininum, gemeint sind alle Geschlechter. Englische Berufsbezeichnungen verwende ich in ihrer ursprünglichen Form. Der Text über Holy endete mit der Ankündigung, dass sie mich irgendwann schon kriegen würden. Nun ja, es ist passiert. Ich habe Holy getrunken. Nicht einmal, weil ich es gekauft hätte. Ich half meinem Herrn Schmitt beim Umzug. Es war heiß. Er meinte, ich könne mir einfach ein Iso-Getränk machen. Ich nahm das Päckchen in die Hand, drehte es um und musste lachen. Holy! “Du hast Holy?”, fragte ich belustigt. "Ja. Ein Bekannter von mir hat eine Kooperation mit Holy.“ (Kleine Rezension am Rande: War völlig in Ordnung, trinkbar.) Aber eig...

314 Blitzlicht: Endlich Dangast

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 Dieses Blitzlicht möchte ich der Betreiberin eines kleinen Second-Hand-Ladens in Wilhelmshaven widmen. Als ich noch ganz neu hier war, hat sie mich unglaublich freundlich empfangen und sich viel Zeit genommen, mir Tipps für die Umgebung zu geben. Einer dieser Tipps war Dangast. Mit einem Satz machte sie mich neugierig: “Fahr am Wochenende hin. Dann gibt es dort den besten Rhabarberkuchen der Welt.” Von diesem Moment an wollte ich nach Dangast. Wochenlang kam immer etwas dazwischen, erst mein eigener Umzug, dann der Besuch auf Wangerooge, dann der Kurztrip nach Hamburg, dann war das Wetter schlecht, dann wieder viel zu heiß, an einem Wochenende war ich bei meiner Familie in Franken, Ende Mai lernte ich dann den wunderbaren Herrn Schmitt kennen, der allerdings mitten im Umzug steckte. Zwischen Verliebtheit, Umzugswahnsinn und all den anderen Plänen rückte Dangast immer weiter nach hinten. Am 21. Juni war es dann endlich so weit. Dangast ist wirklich ein wunderschöner ...