236 Schuldfrage bei psychischen Problemen - Rauchen - Liebe Raucher!
Und nun an euch, liebe Raucher.
Ich war selbst etwa 25 Jahre Raucher und wenn man mit mir über Schuld und Egoismus in dieser Hinsicht diskutieren wollte, hätte man nie auch nur einen Hauch erreicht.
Deshalb möchte ich euch etwas anderes fragen.
Hast du ein Problem mit deinem Rauchen?
Und damit meine ich nicht, dass andere Menschen dein Rauchen problematisch finden.
Vergiss für einen Moment, was andere über dein Rauchen denken.
Nicht: Findet mich jemand deshalb ekelhaft? Nicht: Riecht jemand, dass ich wieder geraucht habe? Nicht: Ist jemand enttäuscht von mir? Nicht: Was denkt meine Familie darüber?
Darum geht es hier gerade nicht.
SONDERN:
Ist es für dich selbst ein Problem?
Merkst du, dass du von den Zigaretten abhängig bist und stört dich das? Vielleicht kennst du diese Momente ...
Es ist nachts um drei. Du bist schon schlaffertig. Es ist kalt draußen. Du hast eigentlich überhaupt keinen Bock, noch einmal rauszugehen. Und trotzdem... die Kippen sind alle...
Vielleicht stört dich, dass deine Finger gelb werden. Vielleicht deine Zähne. Vielleicht stört dich, wie viel Geld jeden Monat dafür draufgeht. Vielleicht stört dich, dass du dir bei jeder Reise überlegen musst, wie viele Zigaretten du für unterwegs mitnehmen musst, ob es dort einen Automaten gibt, ob eine Tankstelle in der Nähe ist... Vielleicht hast du Angst vor Lungenkrebs oder einem Herzinfarkt. Vielleicht hast du bereits gesundheitliche Schäden und rauchst trotzdem weiter. Vielleicht stört dich, dass andere Menschen dich als stinkend wahrnehmen. Vielleicht stört es dich bei der Partnersuche. Vielleicht stört dich etwas ganz anderes.
Nicht nur ein bisschen. Nicht nur so, dass du ab und an denkst: „Boah, was für eine nervige Angewohnheit.“
Sondern so, dass du immer wieder denkst:
„Das bestimmt über mich. Ich will das gar nicht, aber ich mache es.“
Dann hast du ein Problem.
Also nur weiterlesen, wenn du diese erste Frage:
1. Hast du ein Problem?
mit JA beantwortet hast.
2. Leidest du darunter?
Macht es dir Sorgen, lässt dich das Problem schlecht schlafen, verschlechtert es deine zwischenmenschlichen Beziehungen, erzeugt es Selbsthass, macht es dir Angst... usw.
Nur weiterlesen, wenn du diese zweite Frage:
„Leidest du darunter?“
mit JA beantwortet hast.
3. Bleibt das Problem aller Wahrscheinlichkeit nach bestehen, wenn du alles so weitermachst wie bisher?
Nur weiterlesen, wenn du die dritte Frage mit JA beantwortet hast.
4. Wenn du dir vorstellst, unter dem Problem noch in einem Jahr zu leiden, findest du diese Vorstellung auszuhalten?
Wenn hier jetzt ein NEIN kommt, dann möchte ich dir nicht sagen:
„Du bist selbst schuld.“
Ich möchte dir sagen:
Dann fang an, etwas dagegen zu tun. Du musst nicht heute perfekt aufhören. Du musst nicht wissen, wie es geht. Du musst das nicht alleine schaffen. Mach den kleinsten Schritt, den du machen kannst. Google, welche Möglichkeiten zur Rauchentwöhnung es gibt. Schreib eine Pro-und-Contra-Liste. Sprich mit deinem Arzt. Such dir Unterstützung. Überleg dir, was dir die Zigarette gibt und was du stattdessen brauchen könntest. Such dir etwas, das deine Hände beschäftigt. Mach irgendetwas, das dich ein kleines Stück in Richtung Nichtrauchen bringt. Hilfe zu suchen ist Handeln. Sich Unterstützung zu holen ist Handeln.
Wenn du dein Problem lösen willst, musst du handeln. JETZT! Nicht weil du schuld bist. Nicht weil du schwach bist. Sondern weil es dein Leben ist und JETZT immer der einzige Zeitpunkt ist auf den du maximalen Einfluss hast. Höre für jetzt auf, für diese Stunde, für diesen Tag! Jeder Tag ohne ist ein Sieg.
Und genau deshalb würde ich dir auch nicht empfehlen, das Aufhören hauptsächlich an der Meinung anderer Menschen aufzuhängen. Wenn du aufhören willst, denk an dich. Denk an deinen Körper. Denk an deine Gesundheit. Denk an dein Geld. Denk an die gesunden Jahre, die du noch auf diesem Planeten verbringen möchtest. Und denk daran, was das Rauchen dir antut. Wenn dich deine gelben Finger nerven, dann ist das ein Grund. Wenn dich die Kosten nerven, dann ist das ein Grund. Wenn dich die Abhängigkeit nervt, dann ist das ein Grund. Wenn du Angst vor den gesundheitlichen Folgen hast, dann ist das ein Grund. Wenn du dich jedes Mal über dich selbst ärgerst, wenn du wieder anfängst, dann ist auch das ein Grund.
Du musst nicht für jemand anderen aufhören. Du musst auch nicht beweisen, dass du stark genug bist. Du musst nicht erst die perfekte Motivation finden.
Wenn du selbst dieses Problem nicht mehr haben willst, reicht das als Ausgangspunkt.
Und wenn du feststellst, dass diese Methode für dich überhaupt nicht funktioniert, weil du beim Aufhören ständig nur darüber nachdenkst, was andere Menschen von dir denken, dann vergiss meinetwegen diese vier Fragen. Dann brauchst du vielleicht eine andere Methode. Keine Ahnung, was alles funktioniert.
Aber wenn du etwas verändern willst, dann such dir eine Methode, mit der du tatsächlich etwas veränderst.
Und wenn du danach oder währenddessen noch Energie hast, dann setz dich meinetwegen politisch oder gesellschaftlich dafür ein, dass andere Menschen gar nicht erst in diese Sucht hineinrutschen. Setz dich dafür ein, dass Prävention besser funktioniert. Dass Entwöhnung leichter zugänglich wird. Dass Menschen bessere Unterstützung bekommen.
Tu alles, wofür du Energie hast.
Aber vergiss dabei dein eigenes Leben nicht.
Fang bei dir an. Nicht weil du schuld bist. Sondern weil es dein Leben ist.
Fang an. Jetzt.
Niemand gibt dir deine Lebenszeit zurück.
Der Text an die Nichtraucher:
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