303 BLITZLICHT: Big Fish und Hoosebebberli
Hoosebebberli sind Klatschmohn. Das Wort für diese traumhaft schönen Blumen habe ich dieses Wochenende in meinem Heimatdialekt gelernt. Und das Levkojen die Blumen der Ostpreußen sind. Heimat durch Blumen 🌺… das ist so typisch meine Familie.
Mittlerweile bin ich in Aschaffenburg Richtung Frankfurt losgefahren, davor ich so lange zum Stoff sammeln gebraucht, für dieses Mini-Blitzlicht. Denn dieses Wochenende war überschäumend voll. Mit Essen, mit Lachen, mit peinlichen Momenten, mit Erinnerungen, mit Geschichten die weiter gingen, mit Ärger, mit Umarmungen…
Und die 1,5 h Busfahrt nach AB gingen drauf um das alles ein wenig zu ordnen. Diese BusLinie zwischen meinem Heimatdorf und meiner alten Wahlheimat bin ich so oft gefahren, dass ich gefühlt jeden Baum kenne. Ich wäre fast am Bahnhof Richtung meiner alten Wohnung losgelaufen.
Meine Familie ist anstrengend und beeindruckend. Für mich sind sie allesamt „Big Fish“, übergroße Figuren mit noch größeren Legenden.
Besonders meine älteren Geschwister sind Teil der „legendären Zeit“, die auch meine Mutter am liebsten erzählt. Also die 60er und 70er und naja, die 80er, bis ich zu der Zeit an die ich mich erinnere, also etwa ab ‘85.
Ich bin somit schon lange, bevor ich angefangen habe, meine Geschichten zu veröffentlichen, zum Chronisten dieser Geschichten geworden, die ich selbst überhaupt nicht erlebt habe.
Seit ich veröffentliche, mögen meine Geschwister nicht mal mehr meine Rolle, sie finden wohl peinlich was ich schreibe… dabei schreibe ich nur selten über sie.
Zum Glück mag meine Mutter den Chronisten immer noch. Sie hat mir auch, seit ich sehr klein war, immer wieder diese Familiengeschichten erzählt. Weshalb ich sage, ich war schon lange der Hüter der Familiennarrative.
Aber so kommt es, wenn ich bei meiner Familie auf einer Feier bin, dass ich einerseits stolz bin, ein Teil davon zu sein, andererseits mich sehr deplatziert fühle und dieses starke Gefühl von „du wirst an niemand von ihnen jemals heran reichen“.
Verbunden fühle ich mich mit meiner Familie schon, sie sind mein Ursprung, und sie sind Menschen, bei denen ich stolz bin, mit ihnen verwandt zu sein.
Mit meiner Mutter schreibe ich jetzt anhand der Bilder in den unzähligen Fotoalben die alten Familiengeschichten endlich mal auf. Insofern wird wenigstens meine Chronistenrolle mal gewürdigt.
Neben dieser sehr emotionalen Zeit mit meiner Familie bin ich auch momentan frisch verliebt. Leider konnte er nicht mit, weil es für ihn zu spontan war und es ja auch über 500 km sind.
Aber ausgerechnet den Menschen, der mir wieder Hoffnung gibt, doch vielleicht irgendwann für jemanden ein wirklich besonderer Mensch zu sein, lasse ich für die Arbeit an der Chronik warten.
Ich lebe für diese Geschichten, aber ich hoffe dass ich in diesem Moment nicht meine eigene Lebensgeschichte und einen für mich sehr besonderen Menschen zu arg zurück gestellt habe.
Trotzdem habe ich das Gefühl, das Wochenende hat sich gelohnt. Die noch anstehenden 11 Stunden Reise rechne ich als Grind (unangenehme andauernde Tätigkeit um in ComputerSpielen etwas zu erreichen), im RPG Real Life.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen