302 Männerrechte. Das ist euer Kampf.

Ich stoße immer wieder auf Diskussionen über Männerrechte und zwar nicht, weil ich aktiv danach suche, sondern weil ich mitbekomme, dass Männer in dieser Gesellschaft tatsächlich benachteiligt werden. Ich sehe diese Ungerechtigkeiten, und sie beschäftigen mich. Deshalb schreibe ich darüber: Nicht, um Männerrechte zu vertreten, sondern um zu zeigen, dass ich sie erkenne und zu erklären warum ich trotzdem nicht dafür eintreten werde.

Ich mag Männer. Ich habe männliche Freunde, die ich unglaublich schätze. Ich habe mehrere Brüder, die mich teilweise mit aufgezogen haben. Ich hatte einen Vater, vor dem ich zumindest in Teilen Respekt hatte. Und ich habe mehrere Männer in meinem Leben geliebt und bin auch gerade wieder frisch verliebt. Mein größtes Vorbild ist Viktor E. Frankl. Ich habe großen Respekt vor der Leistung dieser Männer in meinem Leben.

Interessanterweise sind diese von mir geschätzten Männer oft solche, die selbst stark unter dem Bild leiden, das die Gesellschaft von ‘Männlichkeit’ hat. Die Männer, die ich mag, haben oft etwas Weiches an sich, nicht nur im Charakter, sondern manchmal auch im Auftreten oder sogar in der Statur. Und genau diese Männer leiden oftmals am meisten:

  • unter anderen Männern, die sie als ‘nicht männlich genug’ abwerten,

  • unter Frauen, die sie nicht ernst nehmen,

  • oder unter Systemen, die sie für ihre ‘Schwäche’ bestrafen.

Und das ist kein Zufall. Es gibt viele Statistiken, die zeigen, dass Männer in dieser Gesellschaft stark leiden:

  • unter Depressionen,

  • unter Selbstmorden,

  • unter Gewalt.

Und sehr oft, nicht immer, sind diese Männer Opfer von anderen Männern. Nicht, weil Männer an sich ein böses Geschlecht wären, sondern möglicherweise auch weil Jungs in dieser Gesellschaft immer noch mit Sätzen wie ‘Indianer kennen keinen Schmerz’ oder ‘Jungs weinen nicht’ oder ‘Sei doch kein Mädchen’ großgezogen werden. Als ob alles, was als ‘unmännlich’ gilt, die Person abwertet. Und so wird die nächste toxische Generation herangezogen.

Im Prinzip rede ich also über die guten Männer, über diejenigen, die dieses System durchlaufen haben und trotzdem sehr gute Menschen geblieben sind. Die gibt es und die Männer, die ich mag, haben alle Schaden von diesem System genommen. Aber zum Glück nicht den, dass sie dadurch weniger gute Menschen geworden sind.

Trotzdem bin ich kein Männerrechtler. Ich bin Feminist, wenn auch nicht blind für Ungerechtigkeiten:

Ich sehe sie in der Wehrpflicht, die nur Männer in den Dienst zwingt. Ich sehe sie im Scheidungsrecht, das Männer benachteiligen kann. Ich sehe sie im Sorgerecht, das Väter oft als nachrangig behandelt. Ich sehe sie z.B. im Exhibitionismusparagrafen, der Männer und Frauen ungleich behandelt. Ich sehe sie darin, dass Bodyshaming gegen Männer gesellschaftlich akzeptierter ist, als wäre es weniger verletzend und niveaulos, einen Mann wegen seines Bauches zu verspotten als eine Frau. Das sind beispielhafte Punkte an denen Männer in meinen Augen tatsächlich benachteiligt werden.

Aber liebe Jungs und Männer, ihr erkennt das die Welt zu euch ungerecht ist und plötzlich wird Solidarität erwartet. “Frauen, kämpft für uns!” Aber warum sollten wir? Ihr habt uns jahrhundertelang ziemlich allein gelassen. Ihr habt uns gesagt, wir sollten uns nicht „so anstellen“. Ihr habt unsere Kämpfe in weiten Teilen ignoriert, kleingeredet und sogar sabotiert. Und jetzt, wo ihr betroffen seid, sollen wir springen? Nein.

Die Wehrpflicht z.B. ist ein Männerproblem. Nicht, weil sie nur Männer betrifft, sondern weil sie ein Symptom eines Systems ist, das Männer selbst geschaffen und jahrzehntelang verteidigt haben. Dass der Mann der starke Beschützer und die Frau das schwache Geschlecht seien, ist kein feministischer Gedanke. Wenn du willst, dass Frauen genauso eingezogen werden oder die Wehrpflicht abgeschafft wird, dann starte Petitionen oder such nach laufenden, schau nach wo bereits Arbeit in diese Richtung geleistet wird, sieh wo du den politischen Druck erhöhen kannst, erhebe deine Stimme zu dem Thema wo immer es geht.

Vielleicht ist die Wehrpflicht sogar eine Chance, der Moment, in dem Männer endlich begreifen, dass man sich gegen Ungerechtigkeit wehren muss. Vielleicht verstehen sie jetzt, warum wir so lange gekämpft haben. Vielleicht lernen sie, dass Veränderung nur kommt, wenn man selbst handelt. Wenn das passiert, war der Schmerz nicht umsonst. Vielleicht kommt dadurch endlich die männliche Emanzipation.

Bis dahin gilt: Euer Kampf. Eure Verantwortung.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kapitel 5 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

Kapitel 7 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

Kapitel 1 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.