213 Ich hab das nicht so gemeint
Verantwortung in der Kommunikation
„Ich hab das nicht so gemeint“, ist bei der ersten Verwendung tatsächlich etwas wie ein Joker. Dann kann echtes Lernen voneinander stattfinden.
Um ihn allerdings tatsächlich gut zu machen, bräuchte es Nebensätze z.B.:
- „Ich hab das nicht so gemeint, ich werde das in Zukunft versuchen anders zu machen.“
- „Ich hab das nicht so gemeint, aber das hat mich jetzt tatsächlich mal angestoßen über meine Formulierung nachzudenken.“
- „Ich hab das nicht so gemeint, aber ich schaffe es nicht das anders zu formulieren. Welchen Kompromiss können wir finden.“
Leider ist es meist ein weniger positiver Gedanke der unausgesprochen mitschwingt: „Stell dich nicht so an und lerne es so zu betrachten wie ich es meine.“. Besonders wenn er noch mal zur selben Formulierung fällt.
Für viele ist der Satz eine banale Entschuldigung, für mich ist er ein Zeichen dafür, dass jemand nicht verstanden hat, was Kommunikation eigentlich bedeutet.
Kommunikation ist kein Selbstläufer, sie ist Hochleistungssport für Mutige. Ein recht unsympathischer, aber sehr kluger Mensch (mein Ex) sagte mal zu mir: „Wenn du etwas sagst oder schreibst, mach dir klar was du damit erreichen willst.“. Ich habe diesen Satz verinnerlicht, auch wenn er von ihm kam. Und deshalb kann ich klar sagen, was ich mit jeder Kommunikation als Hauptziel erreichen will, auch wenn das Erreichen sehr schwer ist: Genau das was ich wirklich gemeint habe, soll beim Gegenüber ankommen. Alles andere (Beziehungspflege, Selbstwert usw.) ist erst mal Dekor. Und für dieses Ankommen muss ich mein Gegenüber kennenlernen und wer klar Wut oder Verletzung über meine Worte äußert gibt mir enorm wichtige Informationen. Emotion ist dabei also kein Hindernis, sondern kann Teil der Information oder die ganze Information sein.
Und ich tat und tue mir mit wertschätzender Kommunikation unglaublich schwer. Deshalb habe ich mich so lange und intensiv mit Kommunikationspsychologie beschäftigt, mit Sender und Empfänger, mit Wahrnehmung, mit Sprache, mit Modellen, die erklären, warum wir so oft aneinander vorbei reden. Ich habe gelesen, geübt, beobachtet, analysiert, und trotzdem passiert es mir immer wieder, dass meine Botschaft völlig anders ankommt, als ich sie gemeint habe.
Kommunikation - besonders mit Menschen mit denen man länger Kontakt möchte, bedeutet - Verantwortung zu übernehmen, lange nicht nur für die Absicht, sondern besonders für die Wirkung. Sie ist alles was der Empfänger bekommt, mehr steht ihm nicht zur Verfügung. Man sollte lernen wollen, sich so auszudrücken, dass beim anderen ankommt, was man tatsächlich meint. Das ist schwer, je weiter die Lebenswelten der Kommunizierenden voneinander entfernt sind, je weniger Überschneidung ihre Blasen haben, desto schwieriger wird eine gelungene Kommunikation.
Doch Kommunikation ist nicht vorrangig Talent. Sie ist ein Handwerk, eine Haltung, ein ständiges Training. Wer sie ernst nimmt, nimmt seine Mitmenschen ernst.
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