289 System, System, everywhere [aus der 'I did it for me'-Reihe]
[Spoiler, Spoiler, everywhere]
Es gibt diese eine Szene in Better Call Saul, in der Mike zu seiner Schwiegertochter Stacey sagt: „Gib das Geld aus.“ Stacey, Krankenschwester, Mutter, Witwe eines Polizisten. Sie arbeitet, sie kämpft, sie kommt trotzdem nicht über die Runden. Und Mike, der Ex-Polizist, der weiß, das Menschen wie sie ihr Leben lang rennen und es trotzdem nie reicht. Man sieht in seinem Blick, dass er sich da zur Rückkehr in die Kriminalität entscheidet.
Kim sitzt in einem schäbigen Kellerbüro, obwohl sie brillanter ist als die meisten in H.H.M.
Jimmy hat sein Büro hinter den Waschmaschinen eines Nagelstudios, ein paar Quatratmeter auf denen er manchmal auch schläft.
Und Chuck? Chuck könnte arbeiten, könnte glänzen, könnte leben, aber das System in seinem Kopf lässt es nicht zu. Und dann ist da diese andere Szene. Chuck, der rausgeht. Einfach so. Ohne seine Rettungsdecke, ohne Angst, ohne alles. Er holt eine Kiste aus dem Auto, als wäre es das Normalste der Welt. Als wäre er nicht der Mann, der seit Monaten sein Haus nicht verlässt. In diesem Moment ist er einfach nur Chuck, der Anwalt, der die Präzedenzfälle aus dem Auto braucht. Und als Jimmy verblüfft Chucks Namen ruft, endet dieser magische Moment. Chuck steht draußen, vor dem gepflegten Garten zwischen alten Bäumen und blauem Himmel, wie Sinnbilder dafür wie normal alles sein könnte.
Aber in dieser Serie sind alle Systeme der Feind, nicht nur das Kartell.
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