283 Über-emotional Teil 2

Ein Fallbeispiel

Überemotional Teil 1, mit Links zum DBT-Erfahrungsbericht

Oft sagen Leute zu mir ich wäre zu emotional und das stimmt sogar, denn ich habe Borderline. Ich kenne es also leider nur zu gut, wenn meine Aussagen von Wut, Verletztheit oder Angst beeinflusst sind.
Häufig sagen es aber Menschen zu mir, wenn sie selbst gerade sehr emotional auf etwas sachlich geäußertes reagiert haben.

Beispiel auf Threads aus den letzten Tagen, welches dies eindrucksvoll zeigt:

Es passierte am Vatertag auf Threads. Ich werde niemanden mit Namen nennen, weil das nur das Gegenteil dessen erreicht was ich möchte. Ich werde ihn auch weitestgehend nicht wörtlich zitieren.

Meine Posts werde ich wörtlich mit auch den Fehlern so lassen.

Worum es eigentlich ging

Jemand hatte drei verschiedene Aussagen von Frauen zum Vatertag rausgesucht und zu problematischen Beispielen des Männerhasses erklärt.

Und ich hatte da drauf geklickt, weil ich mir dachte: “Was ist denn so schlimm?”

Es gibt tatsächlich radikal-feministische Aussagen, die wirklich sehr, sehr weit gehen.

  • Die erste Aussage war, heute hätten die Puffs und Saunaclubs Hochkonjunktur.
  • Die zweite Aussage war, dass da heute viele mitliefen, die selbst keine Väter wären.
  • Die dritte Aussage war, es würde nur denen zum Vatertag gratuliert, die sich auch um ihr Kind kümmerten, in Bezug auf Unterhaltszahlungen.

Dass diese moderaten Aussagen speziell ausgewählt wurden, verwunderte mich und ich reagierte mit ein paar Fragen:

"Ok. Ich hab mich tatsächlich gefragt, was für Threads du meinst.

  • Hast du ein Problem, dass jemand darauf aufmerksam macht, dass heute Sexwork Hochkonjunktur hat? (Mutmaßlich)
  • Darauf hingewiesen wird, dass da viele feiern, die keine Väter sind?
  • Und das nur Vätern ein schöner Vatertag gewünscht wird die auch tatsächlich sich um ihre Kinder kümmern?

Das sind deine Beschwerdepunkte?

Das ist dieser Männerhass?"

Ein wiederum anderer Thread-Teilnehmer reagierte darauf sehr persönlich betroffen auf meine Fragen.

Erst kam ein Muttertagsvergleich, den ich nicht mal wirklich zusammen bekommen würde, wenn ich ihn wörtlich zitieren würde. Es geht wohl darum, dass auch Müttern gratuliert würde, die ihr Kinder ins Heim gegeben hätten oder abgetrieben (?). Also es war sehr schräg auf jeden Fall.

Dann gäbe es ja Väter, denen verweigert wird, ihr Kind zu sehen. Dann wurde nach wissenschaftlichen Belegen dafür gefragt, dass am Vatertag mehr Männer in den Puff gehen.

An dieser Stelle schaltete er ein. Mein Modus von „innerem totstellen“.

Das ist dann keine Emotionslosigkeit im eigentlichen Sinne. Man hat noch Emotionen zum Beispiel Verwunderung oder Verzweiflung über die Menschheit und auch immer ein gewisses Maß an Mitleid. Mitleid ist kein nettes Gefühl, aber es ist unvermeidlich für mich in diesen Situationen.

Mit also schon wenig Interesse an diesen vielen Erklärungen, die man auf so was immer geben muss ohne auf Erkenntnis hoffen zu können, denn eine Diskussion folgt auf solche Identitätsabwehr meist nicht mehr.

Und so fing es dann auch an. Ich fragte wie immer nach, wenn ich erklären will, denn ich will so was kurz halten und da klopfe ich ab was bereits da ist:

"also erstens: Wer gratuliert denn Nicht-müttern zum Muttertag? das hab ich noch nirgends mitbekommen.

Nicht kümmern heißt für dich also aktiv davon abgehalten werden?

Ich hab keine Ahnung ob Prostituierte heute Überstunden machen und hab es auch eindeutig nicht als Fakt in den Raum gestellt…

Vorstellen könnte ich es mir, es liegt sehr nahe, aber das heißt nicht dass ich sage: SO ist das!

Anscheinend fühlst du dich ganz schön davon angegriffen… alles ok bei dir?"

(Das letzte war fies, aber Mitleid ist fies.)

Er meinte eine Mutter gelte immer als Mutter, egal ob die Kinder bei ihr wären. Und erwähnte dann tatsächlich etwas persönliches, aber auch gleich dass er zum ersten Mal höre, dass heute besonders viele Männer in den Puff gingen.

Ich weiter erklärend:

"Ich meinte das zu dem Take, dass viele nicht Väter heute da mit marschieren.

Männer, die keine Kinder gezeugt haben.

Ich werfe das nicht mal direkt Vätern vor. Ich werfe das überhaupt niemanden vor. Du hast gar nicht gelesen, was ich geschrieben hatte.

Ich halte es für wahrscheinlich gerade, weil da viele sehr junge Männer dabei sind, die wahrscheinlich keine Väter sind.

Wie vielen Frauen, die keine Kinder bekommen haben, wird denn zum Muttertag gratuliert?"

Dann meinte er es gäbe Leute die heute Frau oder Kinder mitgenommen hätten (ich wüsste gar nicht dass ich dem widersprochen hätte) und dann meinte er es ginge überhaupt nicht um meine Aussagen.

Der zweite Teil war etwas verwirrend, denn er hatte auf meine Antwort und nicht auf den Hauptthead geantwortet.

Ich bot mich als Männerhasserin an, dachte ein klares Feindbild könnte vielleicht helfen:

"Ok. Wenn du meine Aussage nicht meinst, dann rate ich dir nicht auf meine Aussage zu reagieren …

Ich bin kein offizieller Fürsprecher, ich fand nur die drei vom OP herausgepickten Aussagen wirklich harmlos.

Aber wenn man so hineininterpretiert, kann echt aus Banalitäten Männerhass lesen.

Wenn du mir Männerhass vorwirfst, dann bitte nicht wegen Kleinkram.

‘Männer sind noch nicht einsam genug.’

Das kannst du gern so interpretieren und ist persönlich von mir, an alle Männer die rumjammern."

Er hätte sich verklickt, er werfe mir gar nichts vor und meinte die Grundaussagen und fragte was dieses geschlechtsspezifische Bashing denn bringen solle. Und er würde nie Frauen wegen Muttertag kritisieren…

Kennt ihr dieses innerliche „Uff“, wenn klar ist, das hier jedes Wort vergebens geäußert ist, weil jemand völlig in einer Wutschleife ist, die eigenen Widersprüche nicht mehr bemerkt und das nicht mal absichtliche Gaslighting startet, dieses Verdrehen von Tatsachen aus Identitätsverteidigung nur damit er vor sich selbst noch bestehen kann?

Also antwortet man nur noch für mögliches Publikum, denn das Gegenüber ist innerlich schon nicht mehr im selben Gespräch:

"Ich hab echt keine Lust auf die Diskussion.

Du hattest Muttertag als Vergleich angebracht. Den ich übrigens durchaus kritikwürdig sehe… Aber nicht wichtig.

Was es bringen soll, ist eine Veränderung bei der breiten Masse der Männer.

Ich denke Männer die dazu nicht bereit sind vereinsamen zu lassen könnte da ein probates Mittel sein.

Denn das ist echtes Leid und ich weiß aus Erfahrung, wer genug leidet holt sich Hilfe oder ändert endlich was."

Er meinte er wäre gern allein und dann kam noch folgendes (ausnahmsweise wörtlich, damit diese Plattitüde ihre Wirkung entfalten kann):

“Aber auch Männer haben negative Erfahrungen gemacht.”

Ich antwortete für mögliches Publikum:

"Alles Gut. Es zwingt dich hoffentlich niemand in eine Beziehung.

Ich kann übrigens immer noch nicht für alle Frauen sprechen …

Deinen Letzten Take würde ich zwecks Whataboutism überdenken.

Findest du dass in Mitteleuropa in privaten Beziehungen eher Gleichberechtigung herrscht oder eher Ungleichbehandlung, Diskriminierung und teilweise Gewalt?

Und dann die wichtigste Frage hier bei: wie ist das deiner Meinung nach meist gewichtet?"

Er fragte:

  • Wieso Whataboutism?
  • Ob ich ihm seine Erfahrungen abspräche?
  • Warum nur Mitteleuropa?

Ok, an der Stelle hab ich laut aufgelacht, was doof war, denn ich stand grad an einer Fußgängerampel und das wirkte etwas schräg, denke ich.

Aber:

Warum Whataboutism?
Dann eine Frage die klar macht, er weiß nicht was das ist, dann wieder Whataboutism…

Leute, kommt schon! Ihr hättet auch gelacht!

Ich gab auf:

"Ernsthaft was hast du?

ich hab dir Fragen gestellt und dir gesagt du solltest den Take überdenken…

d.h. nicht, dass ich dir irgendwas abspreche, denn d.h. du sagst dieses Problem ist es nicht wert ist, dass man darüber redet weil es gibt ja auch dieses Problem.

Warum Mitteleuropa?

Weil ich da lebe und ich dachte du auch?

Wir können ja nicht über Gegenden reden, die wir persönlich nur schwer beurteilen können.

Warum erkläre ich das?

Ich wünsche dir noch alles Gute."

Er hat dann gemeint, wenn mich es so abfucken würde…
(jetzt kommt der Wahnsinn in voller Güte Leute)

…wenn ein Mann sich mal Zeit nähme sachlich mit mir zu reden

und dann irgendwelches Geschwafel ich hätte ihn zwingen wollen zu schreiben: “Nicht alle Männer, aber immer ein Mann.”

Dann hab ich ihn stumm geschaltet.

Denkt ihr es gibt eine Chance solche Leute noch zu erreichen?

Ich meine der hält sich für den Guten, der hält sich für sachlich, der hält sich für unemotional in dieser Diskussion.

Wie soll man solche Menschen noch erreichen?

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