218 Innere Rechtsprechung III – Der Henker streikt
Ich antwortete Pete also, weder freundlich noch diplomatisch. Der innere Richter hatte sich schließlich aus der Sache zurückgezogen und ich fühlte keinerlei Bedürfnis mich zu entschuldigen. Pete blieb trotzdem überzeugt, im Recht zu sein.
Das war vielleicht der Moment, in dem etwas zwischen uns endgültig zerbrach. Pete blieb bei seiner Meinung, dass seine Probleme wichtiger seien als meine. Dass jemand seine eigenen Schwierigkeiten als viel wichtiger bewertet als die eines angeblich geliebten Menschen, erschien mir nicht nur unfair, sondern schlicht absurd.
Während wir weiter miteinander stritten, fiel mir etwas Merkwürdiges auf... Der innere Richter meldete sich weiterhin nicht. Für ihn galt Pete nun als zu ungerecht, als dass meine eigenen Entgegnungen noch betrachtenswert gewesen wären.
Das bedeutete allerdings auch, dass ich plötzlich etwas tun musste, was ich vorher kaum geübt hatte: selbst entscheiden, wann ich nachgebe und wann ich einfach sage, dass mir etwas zu weit geht. Und ich merkte selbst wie hart und kalt ich ohne den Richter als ständige moralische Instanz war. Aber ich fand... und ich finde es ehrlich gesagt bis heute... Pete hatte es verdient, dass ich an ihm übe. Er hatte selbst so oft gegen den inneren Richter argumentiert. Er war überzeugt, dass diese Instanz in meinem Kopf grundsätzlich ein Problem sei. Dass ich sie loswerden müsste. Dass viele Dinge, die ich sagte oder fühlte, eigentlich nur der innere Richter wären.
Das führte zu merkwürdigen Situationen: Immer wenn ich zum Beispiel ein Bedürfnis äußerte, erklärte Pete, das sei der innere Richter. Dabei war genau das der Moment, in dem der innere Richter gar nicht aktiv sein konnte. Wenn er aktiv gewesen wäre, hätte ich kaum einen Satz herausbekommen. Dann hätte ich innerlich die ganze Zeit gehört, dass ich mir gar nichts wünschen darf. Dass ich nichts wollen darf. Dass ich nicht das Recht habe, überhaupt etwas zu brauchen.
Aber Pete blieb bei seiner Interpretation, auch wenn ich es ihm erklärte.
Und so war mir sogar schon vor diesem WhatsApp-Streit durch Petes Verhalten etwas über meinen inneren Henker klar geworden: Er hatte eine Funktion.
Und jetzt war die Zeit ihn an seine eigentliche Funktion zu erinnern.
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