212 Was findet man da eigentlich schön?
Mit Beginn der Pubertät entwickelt der menschliche Körper sekundäre Geschlechtsmerkmale. Dazu gehört Körperbehaarung - bei allen Geschlechtern. Natürlich individuell unterschiedlich stark, aber Behaarung kann als eines der Zeichen von Geschlechtsreife gesehen werden.
Wenn ein vollständig rasiertes Erscheinungsbild als besonders ästhetisch gilt, dann wird optisch eine Version des Körpers bevorzugt, in der dieses Reifezeichen fehlt. Menschen dürfen Vorlieben haben. Rasur kann sich angenehmer anfühlen und bei mancher Tätigkeit kann sie praktischer sein. Doch Haptik und Funktion ist hier nicht der Punkt. Es geht um das optische Ideal.
Geschmack ist individuell, aber er entsteht nicht im luftleeren Raum. Unsere Sehgewohnheiten werden geprägt durch das, was wir immer wieder sehen: Werbung, Hochglanzmagazine, Film, soziale Medien, Pornografie. Über Jahrzehnte hinweg wurden besonders weibliche Körper, später zunehmend auch männliche, als selbstverständlich haarlos inszeniert, ob Achsel oder Intimbereich. Wiederholung erzeugt gefühlte Normalität.
Warum empfindet man einen kahlen Intimbereich als optisch schöner?
Rasur ist eine Kulturtechnik. Sie existiert seit Langem, mal stärker verbreitet, mal weniger. Die Moden der Jahrhunderte veränderten ihre Wahrnehmung. Dennoch ist sie keinesfalls der biologische Ausgangszustand eines erwachsenen Körpers.
Für mich persönlich war es schon in meinen 20ern klar, ich möchte dort unten erwachsen aussehen. Ich rasiere mittlerweile weder meinen Intimbereich noch Achseln oder Beine, weil Körperhaare für mich ein normales Zeichen von Geschlechtsreife sind. Noch dazu hoffe ich das viele das tun, so dass wir uns wenigstens im normalen Leben wieder optisch an Haare an Körpern gewöhnen, wenn schon die Medien uns immer rasierte, epilierte, gelaserte, gewaxte... Körper präsentieren.
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