120 Ich will nach hause - Kann ich geliebt werden?
"Ich will nach hause", ist eine Erinnerung an einen Satz von mir aus der Jugend. Ich war damals im Wohnzimmer meines Elternhauses, meine Schwester H war irritiert und sagte: "Du bist doch zu hause. Was meinst du?" Ich weiß nicht mehr den Wortlaut in dem ich antwortete, aber was ich meinte: Wo ich wirklich gewollt und willkommen bin, wo ich mal der wichtigste Mensch im Raum bin und ein Stück weit auch bewundert.
Zumindest für einen Menschen wollte ich der wichtigste Mensch sein, wenigstens der zweitwichtigste nach sich selbst, wenigstens für ein paar Jahre. Die meisten nennen so einen Zustand Liebe.
Damals hatte ich noch große Hoffnung das zu finden. Ich bin oft umgezogen, hatte einige Partnerschaften, war in Therapie, hab an mir gearbeitet, in den letzten Jahren sogar meinen Selbsthass reduziert und etwas Selbstwert aufgebaut.
Heute bin ich zuhause in meiner kleinen Wohnung, die ich sehr liebe und ich bin zuhause in mir selbst (ein stürmischer, dramatischer, theatralischer Ort, aber so bin ich halt), aber ich hab es nicht geschafft irgendwen wirklich für mich zu begeistern.
Die Frage ist nun ob ich aufgebe, mich zufrieden gebe mit dem was Mitmenschen mir geben und nicht zu erwarten zurück geliebt zu werden, nicht mehr zu erwarten, dass ich für einen Menschen der wichtigste Mensch im Raum bin, auch wenn andere ebenfalls da sind.
Bin ich nun mal der Spatz in der Hand, statt die Taube auf dem Dach? Bin ich die, mit der man auskommt, sich zufrieden gibt und nie die die man bewundert, nie die einzig Wahre, sondern immer die Notlösung?
Ich will gar nicht unerreichbar sein wie die Taube, ich will jemanden den ich so liebe, wie ich immer liebe und der mich in dem selben Maß zurück liebt.
Aber vielleicht erwarte ich zu viel, vielleicht ist es schlicht unmöglich den Spatz zu lieben und ich kann nie Taube werden. Ich hab mich jetzt erst mal zurück gezogen von allen Sozialkontakten um mir noch mal ohne Impulse von außen – die für mich immer ein Trigger sind auf echte Aufmerksamkeit zu hoffen – darauf zu konzentrieren ob es möglich sein könnte mich so zu verändern, dass mich jemand lieben könnte, oder ob ich mich mit der Tatsache abfinden muss, das es schlicht unmöglich ist.
Kann ich es ertragen für immer der Spatz zu sein? Mit dieser Frage werde ich mich wohl hauptsächlich beschäftigen, natürlich auch hier auf Wattpad, aber ich werde versuchen auch thematisch Abwechslung in die Texte zu bringen. Denn schreiben werde ich weiter, hinter meiner Arbeit stehe ich, auch wenn das quasi niemand aus meinem Umfeld tut.
Dieser Text über die scheinbare Unmöglichkeit mich zu lieben folgt aus den Gedanken der Resonanzreihe (Kapitel 102 bis 110 der Hauptstory), ist aber auch unabhängig davon zu sehen. Ich verweise nur deswegen darauf, weil ich sehr gereizt auf Floskeln wie: „Du musst dich nur selbst lieben." und „Das liegt an den anderen, du musst nur den*die Richtige*n finden.". Und in diesen Texten gehe ich genau darauf ein, warum diese Floskeln bei mir nicht ziehen.
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