Kapitel 6 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.
Warum ich es überhaupt bis 2009 geschafft habe
Einer dieser Gründe war meine Liebe zu Musik, Geschichten, Filme, Games und Fantasie. Bei uns war das erlaubt. Lesen war nicht nur geduldet, sondern erwünscht. Bücher standen überall, Kino war nichts Verruchtes, Musik nichts Verdächtiges. Man durfte sich für Dinge begeistern, auch für seltsame. Ich habe Bücher verschlungen, Filme aufgesogen, Serien geliebt, Welten gebaut und bewohnt, die mir sagten, solange du dein Innen hast bist du immer frei. Popkultur ist für mich kein Zeitvertreib, sondern ein Denkraum. Orte, an denen ich sein durfte, ohne bewertet zu werden. "Star Trek" lies mich von einer Utopie träumen in der Verstand und Ethik regieren, die "Unendliche Geschichte" erzählte mir das Phantasie an sich ein Wert ist und das jede Entscheidung ihren Preis hat, "Das fünfte Element" erzählte mir schrillbunt, cool durchchoreografiert die uralte Botschaft "Liebe rettet die Welt". Nur Bullettime in Matrix war NOCH cooler inszentiert als der Kampf zu "The Diva Dance" und Matrix sagte gleich: "Vielleicht ist alles nicht real, du kannst es nie wissen.". Warum Phatasie also gering schätzen, dann kam "The Sixth Sense" mit SPOILER "Vielleicht bist du schon tot".
Die Welt ist unendlich wenn man träumt.
Meine Neugier auf das Funktionieren der Welt holte mich immer zurück in die Realität und lies mich in ihr bleiben. Wissen war für mich immer auch Schutz und zwar in zweierlei Hinsicht, erstens nimmt Systemverständnis Ängste vor der Welt und solange ich noch nicht verstanden hatte, wie die Welt funktioniert, wollte ich nicht gehen. "Das hier ist spannend. Warum ist das so?" Dieses Denken hat mich gehalten, oft gerade so.
Ein weiterer, sehr zentraler Punkt war das, was wir in meiner Familie über Verantwortung gelernt haben. Du kannst alles tun. Du musst nur mit den Konsequenzen leben können. Das klingt frei, und in Teilen war es das auch. Niemand hat uns moralisch erpresst, niemand mit Liebesentzug gedroht. Entscheidungen waren erlaubt. Aber sie waren gültig. Verantwortung war kein abstrakter Begriff, sondern etwas, das man körperlich spürte. Das hat mir später eine enorme Prinzipientreue gegeben. Ich breche meine eigenen Prinzipien nicht, selbst wenn es mich viel kostet. Gleichzeitig hat genau dieses System bei mir etwas Gefährliches erzeugt: eine Null-Fehler-Toleranz mir selbst gegenüber. Wenn ich etwas nicht sofort verstand, nicht sofort konnte, hasste ich mich dafür. Ich habe gegenüber keinem Menschen so wenig Geduld wie mir selbst gegenüber. Das ist kein Charakterzug, das war ein inneres Dogma.
All diese Dinge zusammen haben ein System gebildet, das mich überleben ließ. Es war kein gutes System. Es war wackelig, hart, selbstzerstörerisch. Aber es hat getragen. Und ich glaube heute: Hätte ich das Studium irgendwie geschafft, wäre dieses System noch eine Weile weitergelaufen. Mit noch mehr Selbsthass, noch mehr Überforderung, noch weniger Ich. Diese Ressourcen waren real. Sie waren keine Ausrede und kein Beweis von Stärke. Sie haben nicht gereicht. Dass es 2009 zerbrochen ist, war furchtbar, es war der Tod der Person die ich war, aber notwendig.ne Neugier auf das Funktionieren der Welt holte mich immer zurück in die Realität und lies mich in ihr bleiben. Ich wollte verstehen. Menschen, Strukturen, Zusammenhänge, Politik, Geschichte, Technik. Wissen war für mich immer auch Schutz und zwar in zweierlei Hinsicht, erstens nimmt Systemverständnis Ängste vor der Welt und solange ich noch nicht verstanden hatte, wie die Welt funktioniert, wollte ich nicht gehen. "Das hier ist spannend. Warum ist das so?" Dieses Denken hat mich gehalten, oft gerade so.
Ein weiterer, sehr zentraler Punkt war das, was wir in meiner Familie über Verantwortung gelernt haben. Du kannst alles tun. Du musst nur mit den Konsequenzen leben können. Das klingt frei, und in Teilen war es das auch. Niemand hat uns moralisch erpresst, niemand mit Liebesentzug gedroht. Entscheidungen waren erlaubt. Aber sie waren gültig. Verantwortung war kein abstrakter Begriff, sondern etwas, das man körperlich spürte. Das hat mir später eine enorme Prinzipientreue gegeben. Ich breche meine eigenen Prinzipien nicht, selbst wenn es mich viel kostet. Gleichzeitig hat genau dieses System bei mir etwas Gefährliches erzeugt: eine Null-Fehler-Toleranz mir selbst gegenüber. Wenn ich etwas nicht sofort verstand, nicht sofort konnte, hasste ich mich dafür. Ich habe gegenüber keinem Menschen so wenig Geduld wie mir selbst gegenüber. Das ist kein Charakterzug, das war ein inneres Dogma.
Und dann war da Alkohol. Alkohol war in meiner Welt früh positiv besetzt. Mein Vater war umgänglicher, wenn er getrunken hatte. Freundlicher. Erträglicher. Und ich habe sehr früh gemerkt, dass das bei mir genauso funktioniert. Betrunken bin ich sozialverträglicher. Die Leute mögen mich mehr. Nüchtern bin ich anstrengend, nicht nur für andere, auch für mich. Alkohol war für mich kein Reiz, sondern eine Selbstmedikation. Ab dem Dorfjugendalter normalisiert, später systematisch genutzt. Das war der dunkelste dieser Gründe, der destruktivste, und der Alk ist seit dem eine Bedrohung, wenn auch über 13 nach der Entscheidung für mich und gegen den Alkohol nicht mehr so unmittelbar. Aber er hat vorher funktioniert. Und bei jedem zwischenmenschlichen Problem, bei jedem nicht schlafen können ist die kleine Stimme da: "Du weißt was jetzt 'helfen' würde!"
All diese Dinge zusammen haben ein System gebildet, das mich überleben ließ. Es war kein gutes System. Es war wackelig, hart, selbstzerstörerisch. Aber es hat getragen. Und ich glaube heute: Hätte ich das Studium irgendwie geschafft, wäre dieses System noch eine Weile weitergelaufen. Mit noch mehr Selbsthass, noch mehr Überforderung, noch weniger Ich. Diese Ressourcen waren real. Sie waren keine Ausrede und kein Beweis von Stärke. Sie haben nicht gereicht. Dass es 2009 zerbrochen ist, war furchtbar, es war der Tod der Person die ich war, aber notwendig.
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