169 Beziehung ohne Person - Wie wichtig ist uns Resonanz?
Es gibt Gespräche, die laufen völlig harmlos. Niemand sagt etwas Unpassendes, niemand wird beleidigend, nichts eskaliert. Doch merkt man nach kurzer Zeit dass hier kein echtes Gespräch, kein echtes inhaltliches Interesse an den Aussagen ist.
Das ist nicht dramatisch. Es ist auch keine Charakterschwäche, nur das Zeichen für "Kein Interesse". Wer kein Interesse zeigt, will das Gegenüber anscheinend nicht kennenlernen. Interesse ist kein Bonus und keine Höflichkeit. Es ist das Minimum für jede Form von Beziehung. Wenn es bei einer Partei nicht für den anderen da ist, dann ist höfliches Verabschieden meiner Meinung nach am angesagtesten.
Was mich daran beschäftigt, ist nicht das einzelne Gespräch, sondern das Muster dahinter. Viele Menschen wollen eine Beziehung. Aber irgendwie vergessen sie, dass man dafür einen kompletten Menschen in sein Leben lassen sollte, mit Prägungen, Intentionen, Bedürfnissen, Familie, Gefühlen usw., ein ganzes neues Universum mit dem man ja leben möchte. Da sollte sich ein genauerer Blick auf den Charakter des Gegenübers lohnen.
Doch oft scheint es als würde sich nach einer Beziehung ohne Person gesehnt, das ist keinerlei Anklage, nur eine Beobachtung an der ich selbst noch zweifle.
Manchmal habe ich das Gefühl sagen zu müssen: "Eine Person ist nicht ihr Körper. Nicht ihre Verfügbarkeit. Nicht das, was man gerade von ihr braucht. Ein Mensch ist eine ganze Welt.".
Wer das nicht wissen will, kann keinen Respekt entwickeln. Und ohne Respekt gibt es nur sehr selten eine Beziehung und wie man ohne Respekt behaupten will jemand zu lieben ist mir schleierhaft.
Gleichzeitig
gibt es das Spiegelbild dieses Musters. Menschen, die lange nicht
wahrgenommen wurden, reagieren extrem stark, wenn plötzlich scheinbar
Interesse da ist. Wenn jemand zuhört, nachfragt und beim Thema bleibt.
Das muss sich anfühlen wie Verliebtheit, diese Überresonanz die da
kommt. Wie Endlich-gemeint-sein. Und oft ist genau das der Punkt, an dem
Menschen wahrscheinlich bereit sind in die vermeintliche Beziehung zu
investieren. Zeit, Geld, Gefühle, Hoffnung, Familienbande, geistige
Gesundheit...
"Frauen stehen doch alle auf Arschlöcher" ist nur eine
der abwertenden Verallgemeinerungen, die oft eigentlich für traurige
Geschichten stehen in denen Menschen in sehr ungesunde Beziehungsmuster
schliddern, weil ihnen Lovescammer, Sex Bots, Fake Influencer (aktueller
Fall aufgearbeitet von "RobBubble": "Undercover in den Influencer-Chats
von Knossis Firma"), Influencer, OF Creator, Privatpersonen mit üblen
Absichten, usw. am Anfang oder immer wieder Resonanz vorgegaukelt haben.
Dass jedes Jahr Millionen und Abermillionen in solche Systeme fließen, sagt nichts über Dummheit aus. Es sagt etwas über Dringlichkeit. Darüber, wie sehr Menschen gesehen werden wollen. Gehört werden wollen. Gemeint sein wollen.
Vielleicht ist das die unbequeme Erkenntnis: Jeder ist für irgendeine Form von Betrug empfänglich. Nicht, weil Menschen schwach sind, sondern weil Beziehung ein Grundbedürfnis ist. Und weil wir erstaunlich viel riskieren, wenn wir das Gefühl haben, dass uns endlich jemand wahrnimmt.
Wenn Resonanz ein so begehrtes Gut ist und wir sie häufiger in der Welt wollen, ergibt sich daraus zumindest eine praktikable Möglichkeit:
Wir sollten sie alle mehr geben.
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