163 Kulturelle Reflexe - Reddit und die Verteidigung des Gewohnten
Hier geht es zwar mehr um Reddit und die Posts hier zu verlinken ist etwas umständlich, aber wer dort rein schauen will, wird unter r/writeandpost fündig. Rentiert sich aber nur für die Kommentare, alle besprochenen Texte sind auch hier.
Diese Metaanalysen kosten momentan meine ganze Schreibenergie, deswegen poste ich sie auch hier, vielleicht ist auch für manchen interessant wie diese Plattform funktioniert.
Was mich auf Reddit stört ist nicht, dass hier Ungenauigkeiten und Fehler eher erwähnt werden, das schätze ich sogar. Sondern dass hier Argumente gegen Feminismus gebracht werden, die auf Facebook, TikTok, Instagram, YouTube, Joyclub, Threads usw. keine Chance hätten unwidersprochen zu bleiben. Hier scheine ich oft die einzige Person zu sein, die diesen Widerspruch leistet.
Wenn ich hier über sexualisierte Grenzüberschreitungen schreibe, über männliche Begehren und kulturelle Prägungen, über Schönheitsideale, Intimbehaarung, Machtverhältnisse oder KI-Girlfriends, dann passiert etwas, das ich nirgendwo sonst erlebe: Statt auf die Inhalte einzugehen, wird die Diskussion sofort zu einer Verteidigung der männlichen Identität umgedeutet, als wäre jeder Hinweis auf Verantwortung automatisch ein Angriff auf ihre Sexualität. Die Diskussion kippt von der Frage nach Schutz, Empathie oder gesellschaftlichen Eingriffsmöglichkeiten - also dem worauf meine Texte zielen - hin zu einer Art Identitätsverteidigung. Dabei geht es scheinbar darum, das eigene Begehren zu legitimieren, als wäre es ein natürlicher Grundwert, den niemand kritisieren darf. Und aus jeder Frage nach Verantwortung wird ein Vorwurf, der angeblich die gesamte Männlichkeit angreift.
Damit dieser Textreihe nicht jedes Mal dieselben Missverständnisse im Weg stehen, möchte ich hier kurz erklären, wie sie aufgebaut ist, welche Begriffe ich wie benutze und was die Leser erwartet. Ich schreibe kulturkritisch über Muster, nicht über Einzelpersonen. Ich schreibe über Dynamiken, nicht über Schuld. Begriffe wie „kulturelle Prägung", „Schönheitsideal", „Machtgefälle", „Vorliebe" oder „Biologismus" benutze ich in ihrem soziologischen oder psychologischen Sinn, nicht als moralische Etiketten. Ich glaube nicht, dass Männer „schuld" sind an der Kultur, in der sie aufgewachsen sind. Ich glaube auch, dass man es mit Reflexion und Übung schaffen kann seine Prägung zu überwinden. Ich glaube aber, dass niemand sagen kann „ich bin nicht geprägt", weil das nicht menschenmöglich ist. Und ich glaube, dass man über sexuelle Vorlieben sprechen kann, ohne jemanden anzugreifen, aber nur, wenn man akzeptiert, dass Vorlieben Konsequenzen haben, sobald andere Menschen davon betroffen sind.
Diese Reihe wird aus mehreren Teilen bestehen. Jeder Teil nimmt sich ein Thema vor, das in meinen Reddit-Diskussionen auf völlig unerwartete Art entgleist ist. Ich beginne mit dem ersten Text, der mich damals wirklich schockiert hat: meinem Beitrag über Ephebophilie. Ich hatte erwartet, dass wir über Schutz junger Menschen sprechen, über Ekel, über reale Risiken, über Grenzüberschreitungen und nach kurzer Zeit auch über die etwas unpassende Begriffsverwendung meinerseits, denn im Text waren nicht nur Personen gemeint, die ausschließlich auf 15 bis 19 Jährige stehen, sondern halt alle die sie anbaggern. Stattdessen wurde darüber gestritten, dass erwachsene Männer sich „ausleben dürfen" und warum. Dieser Text ist deshalb Kapitel 1 der Reihe, weil ich schockiert war was da verteidigt wurde, mit welchen Argumenten und dass anscheinend keine Empathie für die sehr jungen Menschen da war, sondern nur Mitgefühl für die älteren Personen mit dieser Vorliebe.
Andere Texte werden folgen: über Schönheitsideale, über Feminismus allgemein, über Prostitution, über Testosteron, über KI-Freundinnen und darüber, was ich tun kann, damit die Diskussionen nicht immer die selbe Richtung nehmen.
Was diese Reihe nicht ist: ein Angriff auf Männer. Was sie aber sehr wohl ist: eine Analyse der Argumente, mit denen viele Männer hier auf Reddit ihre Wünsche als Naturgesetze verteidigen, selbst wenn andere darunter leiden. Und es soll eine Einladung zur Empathie sein. Nicht um jemandem etwas zu verbieten, sondern um zu verstehen, wie unangenehm anders Reddit feministische Themen diskutiert, die anderswo nur noch Leute aus den übelsten Ecken triggern.
Ich werde so alle 1-3 Tage einen der Texte veröffentlichen, dann immer den vorherigen Text für Kommentare schließen. Es wäre mir sehr lieb, wenn ihr zu einem der älteren Texte weiter diskutieren wollen würdet, wenn dann ihr einen eigenen Thread dazu eröffnet, auch wenn ihr einen Randaspekt näher diskutieren wollt. Das gilt grundsätzlich.
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