147 Joyclub - warum kam das Aus nach 18 Jahren?
Ich war schon länger unzufrieden mit Joyclub. Das Herzensystem hat mich von Anfang tierisch gestört, es ist ein soziales Schmiermittel unter Steamern, verstärkt parasoziale Bindungen, kostet den Schenkenden irre viel Kohle und erzeugt einen gewissen Druck beim Streamer auf Forderungen und Wünsche einzugehen, auch wenn der Streamer kein Geld auf Joy verdienen kann.
Dann kam die Technik. Zuschauerzahlen nach dem Mond, Abstürze, fehlende Funktionen, OBS nur als virtuelle Kamera, Soundprobleme... Ich hab oft mehr Zeit mit Fehlerbehebung verbracht als mit dem eigentlichen Stream, aber ich mag die Kreativität die dabei entsteht sogar manchmal.
Dazu kam der fehlende Schutz. Trolle kamen rein um blank zu beleidigen. Man konnte sie aus dem eigenen Stream bannen, aber sie wurden bei Meldung von Joy nur verwarnt und konnten immer einfach zum nächsten ziehen. Mein Thread mit einer Bitte um Diskussion von Möglichkeiten wurde nach kurzem Victimblaming (du musst das abkönnen) und meiner Gegenwehr (Joy verdient sich hier dumm und dämlich damit und tut nix um seine Streamer*innen zu schützen) einfach vom Support geschlossen.
Und schließlich sind Resonanz und echtes Kennenlernen schwer zu erreichen auf Joy. Ich mochte die Freiheit, die mir Joy in der Gestaltung meiner Streams gab und ich suche auch teilweise nach einem Ersatz, weil ich Leute suche, die sexuell offen sind UND sich verdammt gern unterhalten, aber ich befürchte solche Seiten sind immer zu oberflächlich. Irgendwann werde ich meinen Kink mich sexuell zu zeigen vor Fremden (in einem sicheren Rahmen), auch wieder online ausleben, aber es ist nicht dringend.
Wegen dieser ganzen Kritikpunkte, akut besonders wegen der Trolle, beendete ich das Streamen für ein Jahr. Es fehlte mir, wegen meines Kinks, aber auszuhalten.
Nach dem Jahr Pause kam dann auch Vany zurück. Sie war gesperrt gewesen auf Joy und ihre Rückkehr nahm ich zum Anlass es auch noch mal zu versuchen. Lief o.k., kein Feuerwerk, zwei Wochen ruhige Streams oder so. Dann habe ich gespürt es wird Zeit offen über meine Kritikpunkte zu diskutieren und die vier obengenannten Punkte in einem Text genauer erläutert und auf Joy auf meinem Profil online gestellt.
Einen Tag später kam statt einer Auseinandersetzung mit den Themen eine Meldung zu einem alten Text, dem , der schon monatelang online war. Ich solle „die Politik rausnehmen". Ich hab es netter formuliert, aber dieser Text erklärt wie ich wieder zurück zu Joy kam und warum ich „unpolitische" und politisch rechte Leute als Sexualpartner kategorisch ausschließe. Also mehr als wichtig im Joy-Kontext. Zweimal hab ich nachgebessert, die Parteinennungen schon im ersten Anlauf. Immer noch wollten sie entscheidende Phasen raus gekürzt haben. Da hab ich gesagt: Dann schmeißt mich raus. Sie haben gezögert. Ich nicht. Ich hab ihnen gezeigt, wie politische Texte wirklich aussehen: Wehrpflicht, §218, AfD, Grüne... hatte ich ja alles da, alles im Stundentakt gepostet. Vielleicht können sie es dann bei anderen Usern mal unterscheiden, ob jemand einen autobiografischen Erfahrungsbericht in dem Politik eine Rolle spielt schreibt, oder einen politischen Text.
So
ging Joy wenigstens im Feuerwerk unter, ich mag ein Ende mit Pauken und
Trompeten und Joy war für mich zu jeder Zeit eine Bühne für meine
innere Diva.
Eure Regeln sind das letzte, aber ich weiß das ich
dagegen verstoßen habe und der Rauswurf deswegen absolut rechtmäßig war.
Dass er was mit meinen Kritikpunkten zu tun hatte, glaube ich eher
indirekt, könnte ich nie beweisen und werde auch nie Mühe investieren.
So endete eine große Zeit mit einem herrlichen Knall!
Kommentare
Kommentar veröffentlichen