146 Ich hab das nicht so gemeint - über Verantwortung in der Kommunikation
„Ich hab das nicht so gemeint" so oft fällt dieser Satz, manchmal sogar gut gemeint. Um ihn tatsächlich gut zu machen, bräuchte es Nebensätze z.B.:
- „Ich hab das nicht so gemeint, ich werde das in Zukunft versuchen anders zu machen."
- „Ich hab das nicht so gemeint, aber das hat mich jetzt tatsächlich mal angestoßen über meine Formulierung nachzudenken."
- „Ich hab das nicht so gemeint, aber ich schaffe es nicht das anders zu formulieren."
Leider ist es meist ein weniger positiver Gedanke der unausgesprochen mitschwingt: „Stell dich nicht so an und lerne es so zu betrachten wie ich es meine."
Für viele ist der Satz eine banale Entschuldigung, für mich ist er ein Zeichen dafür, dass jemand nicht verstanden hat, was Kommunikation eigentlich bedeutet.
Kommunikation ist kein Selbstläufer, sie ist Hochleistungssport für Mutige. Ein recht unsympathischer, aber sehr kluger Mensch (mein Ex) sagte mal zu mir: „Wenn du etwas sagst oder schreibst, mach dir klar was du damit erreichen willst.". Ich habe diesen Satz verinnerlicht, auch wenn er von ihm kam. Und deshalb kann ich klar sagen,was ich mit jeder Kommunikation als Hauptziel erreichen will,auch wenn das Erreichen sehr schwer ist: "Genau das was ich wirklich gemeint habe,soll beim Gegenüber ankommen." Alles andere (Beziehungspflege, Selbstwert usw.) ist erst mal Deko.
Emotion ist dabei kein Hindernis, sondern kann Teil der Information oder die ganze Information sein. Wenn jemand sagt: „Das verletzt mich", dann ist genau das die Information, die ankommen muss und meist sogar genau so gemeint ist.
Und ich tat und tue mir damit unglaublich schwer. Deshalb habe ich mich so lange und intensiv mit Kommunikationspsychologie beschäftigt, mit Sender und Empfänger, mit Wahrnehmung, mit Sprache, mit allen Modellen, die erklären, warum wir so oft aneinander vorbei reden. Ich habe gelesen, geübt, beobachtet, analysiert, und trotzdem passiert es mir immer wieder, dass meine Botschaft völlig anders ankommt, als ich sie gemeint habe.
Gerade auf Reddit habe ich das in den letzten Tagen sogar öfter
erlebt. Ich schreibe etwas, das für mich völlig selbstverständlich ist
und das genaue Gegenteil kommt an. Im ersten Augenblick bin ich dann
einfach wütend (ich versuche in diesem Moment NOCH nicht zu antworten,
gelingt nicht immer, aber ich arbeite an mir). Ich frage mich dann,
warum die mich alle nicht verstehen, warum man sich überhaupt noch Mühe
geben soll, wenn am Ende doch alles verdreht wird.
Aber dann flaut
die Wut ab (dauert manchmal tatsächlich „einmal drüber schlafen", selten
sogar viel länger), denke ich genau das, was für mich das einzig
logische in diesem Fall ist: Etwas ging schief, also muss ich das
nächste Mal besser werden. Fehleranalyse, Verhaltensanalyse und dann an
der Verbesserung arbeiten. Wie immer und in jedem Lebensbereich.
Eigentlich hoffe ich naiv, dass das alle immer so machen, aber viele
denken wohl ihre Kommunikation hätte das nicht nötig. Als würde
Kommunikation nicht dauernd scheitern und Katastrophen auslösen, ob im
Großen oder Kleinen.
Kommunikation bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, lange nicht nur für die Absicht, sondern besonders für die Wirkung. Diese ist alles was der Empfänger bekommt, mehr steht ihm nicht zur Verfügung. Man sollte lernen wollen, sich so auszudrücken, dass beim anderen ankommt, was man tatsächlich meint. Das ist schwer, je weiter die Lebenswelten der Kommunizierenden voneinander entfernt sind, je weniger Überschneidung ihre Blasen haben, desto schwieriger wird eine gelungene Kommunikation.
Doch Kommunikation ist nicht vorrangig Talent. Sie ist ein Handwerk, eine Haltung, ein ständiges Training. Wer sie ernst nimmt, nimmt seine Mitmenschen ernst.
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