137 Wechseljahre II - Flucht nach vorn

Der erste Wechseljahre-Text endete ja mit dem Gedanken, ob es vielleicht doch alles nicht reicht, ob ich vielleicht zurück ins stationär betreute Wohnen gehe (war ich 2011 schon mal).

Aber nein, bevor ich das tue und meine wunderbare, geliebte Wohnung aufgebe, ohne dazu gezwungen zu sein, gehe ich lieber zur Flucht nach vorn über. Ich meine damit kündigen von gesetzlicher Betreuung und betreutem Wohnen, also komplettes allein wurschteln, das hab ich seit 2011 nicht mehr gemacht und davor keinen einzigen Tag gut.

Ich hoffe genug gelernt zu haben, genug Selbstbewusstsein, genug -motivation und genug -organisation. Und wenn ich dann scheitere, dann bin ich wenigstens erst untergegangen nachdem ich alles versucht habe.

Die Betreuerin vom betreuten Wohnen, Frau XY. ist sehr sympathisch, gut organisiert und hat mir schon oft geholfen. Gespräche mit ihr finde ich meist allerdings auch anstrengend. Sie ist oft sehr abgelenkt, unterbricht mich wegen Kleinigkeiten oder verliert sich in eigenen Themen. Fühlt sich nicht unbedingt nach Resonanz an. Und wofür sie nichts kann: Sie hat keine volle Stelle, diese Mitarbeiter haben meist viele Überstunden und deswegen dann zwischendurch oft frei. Sie begleitet mich ja zu Ärzten und andern Terminen, hilft mir beim Organisieren von Unterlagen und ähnlichem und das macht sie wirklich gut. Nur dann kommt der Urlaub. Das heißt um planen, anderer Ansprechpartner und wenn Frau XY. im Urlaub ist und Termine sollen sich für die Zeit nach ihrem Urlaub ändern, dann kann das natürlich nicht der Arzt direkt mit ihr ausmachen. Das belastet mehr als es hilft.

Wenn ich alles selbst mache, dann weiß ich wer den Brief haben muss, die Termine koordinieren, die Unterlagen dabei haben, Fristen einhalten muss: ICH. Ich bin nicht sehr verlässlich, weshalb ich immer scherzhaft sage:
„Wie soll ich denn Selbstvertrauen haben, wenn ich mir nicht vertrauen kann?"
Aber dann hab ich nur noch einen Ansprechpartner, der voll verantwortlich und immer erreichbar ist: ICH halt.

Die gesetzliche Betreuung hab ich bereits gekündigt, die Betreuungsstelle hat zurückgerufen und gemeint es müsste ohne Anhörung durchgehen, falls doch eine nötig ist, bekomme ich einen Brief. Meine Briefe wieder selbst verwalten, das wird nach 14 Jahren auch ein Kraftakt, ich hatte davor ausgeprägte Briefkasten- und Brief-öffnen-Angst.

Das betreute Wohnen soll erst mal 4 Wochen pausiert werden um zu merken ob ich komplett ohne Unterstützung verloren bin oder es wirklich eine Entlastung ist.

Ich werde jedes Hilfsmittel nutzen, das mir zur Verfügung steht, mein , ChatGPT mit jeder Organisationsfunktion die es bietet, meine neu geschaffene Ordnung, auch im Ablagesystem, meinen in den letzten Monaten trainierten Tagesablauf mit to-do-Listen usw..

Ich werde kämpfen und vielleicht verlieren, aber nicht einfach ohne Kampf aufgeben.



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