124 Ephebophilie - Ein zu häufiges und klein geredetes Phänomen

 


Ephebophilie – sexuelle Präferenz für spätpubertäre Jugendliche (ca. 15–19 Jahre). Gemeint ist hiermit die ausschließliche Präferenz auf Jugendliche, natürlich können auch Leute, die nicht diese ausschließliche Sexualpräferenz haben gegenüber Jugendlichen zudringlich werden. Und die Prägung besteht natürlich auch schon wenn die Person U40 ist, aber mit steigendem Alter wird es unwahrscheinlicher auf Gegenliebe zu stoßen und somit problematischer. Das nur vorab.

Kein Randphänomen, sondern ein sichtbares gesellschaftliches Problem.

In den letzten Monaten hat mich Threads immer wieder mit einer Realität konfrontiert, die ich früher so nicht wahrgenommen habe. Es tauchen dort regelmäßig Posts auf, in denen Männer exposed werden, die auf offensichtliche Sexbots reagieren – Profile mit perfekten, meist KI-generierten Körpern, die so aussehen, als wären sie gerade mal volljährig, oft jünger. Diese Bots schreiben in knappen Outfits Sätze wie „Ich bin so einsam, magst du mich anschreiben?" Und was passiert darunter? Männer Ü40, Ü50, Ü60 kommentieren öffentlich, weil sie scheinbar denken, sie wären in einem Privatchat. Manche beschweren sich sogar, dass diese „Frauen" nicht zurückschreiben, und müssen dann von anderen Nutzern darauf hingewiesen werden, dass Threads keine Sex-Dating-Plattform ist und sie auf nen Sexbot geantwortet haben.

Das Erschreckende ist nicht nur die Naivität – die fehlende Medienkompetenz, das Nicht-Verstehen, dass man da gerade öffentlich sichtbar reagiert. Das Erschreckende ist die Häufigkeit. Es sind nicht vereinzelte Typen, es sind Reihen von Männern, die genau auf solche Darstellungen anspringen. Ich hatte früher gedacht: Das sind wenige. Vielleicht ein Randphänomen. Heute muss ich feststellen: Nein, das ist ein riesiges Problem. Scheinbar gibt es viele Typen Ü40 die denken ein Mädchen, das gerade am erwachsen werden ist, könnte freiwillig und ohne Bezahlung Sex oder eine romantische Beziehung mit ihnen wollen.

Natürlich gibt es Ausnahmen, und die will ich nicht unterschlagen. Es gibt seltene Fälle, in denen eine 19jährige tatsächlich auf einen 60jährigen steht – aus Kink, aus Liebe, oder weil sie bewusst einen Sugar Daddy sucht. Das kommt vor. Aber es ist selten. Und wenn etwas selten ist, dann weiß jeder: Man muss sich dafür anstrengen. Seltenes erfordert Aufwand, Geduld, Glück. Wer glaubt, dass man mit plumpem „Hey Süße"-Smalltalk bei einer 18jährigen landet, während man selbst 50 ist, lebt in einer Illusion. Und auch bei den meisten 50jährigen würde man da nicht landen, aber sie wollen ja das eh schon unglaublich Unrealistische und strengen sich nicht mal einen Hauch dabei an. Als hätten sie ein Recht darauf! Als wäre es selbstverständlich, dass ein Mädchen auf einen Typ im Alter ihres Vaters oder Opas, bei „Hey Süße ich find' dich so heiß. Wollen wir uns mal treffen?" dahin schmilzt.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass Menschen junge Körper attraktiv finden – Attraktivität ist keine Sünde. Das Problem ist, wenn Männer über 40 systematisch glauben, junge Frauen meinten sie mit ihrer Selbstpräsentation. Als ich selbst einen jungen weiblichen Körper hatte, habe ich kurze Röcke getragen, gespielt mit Sichtbarkeit. Aber ich habe dabei nie an 40jährige gedacht. „Älter" hieß für mich drei, vielleicht fünf Jahre. Nicht Vater, nicht Opa. Dass Nachbarn, Handwerker, Väter von Freunden mich in diesem Alter als sexuelles Objekt gesehen haben könnten – das habe ich erst viel später begriffen. Heute, mit 43, gehe ich rückwirkend manchmal im Kopf die Gesichter durch und ekle mich. Natürlich ist nicht jeder so. Aber die Frage bleibt: Wer von euch hat mich so gesehen? Wer hat gedacht: Ob die mit mir vögeln würde? Wer hat darüber nachgedacht meinen Rock zu heben und mich zu ficken, während ich mich mit seiner Tochter zum weggehen fertig gemacht hab um dort süße 18 Jährige aufzureißen. FÜR DIE WAR NÄMLICH DAS OUTFIT!

Und hier liegt der entscheidende Punkt: Attraktivität wahrnehmen ist das eine. Jemanden hübsch finden ist normal. Aber daraus eine Einladung zu machen – das ist Projektion. Das ist Grenzüberschreitung. Und wenn die Wahrscheinlichkeit gegen null geht, dass es Gegenseitigkeit gibt, dann ist es fast immer Belästigung. Ephebophilie lässt sich nur in den seltensten Fällen einvernehmlich ausleben. Ein 20jähriger mit einer 17jährigen – normal. Ein 30jähriger mit einer 17jährigen – schon fragwürdig. Ein 50jähriger mit einer 17jährigen – praktisch ausgeschlossen, außer gegen Geld. Und dann reden wir über Prostitution, nicht über Liebe.

Das ist der Punkt, der gesellschaftlich tabuisiert wird. Für Pädophilie gibt es Präventionsprogramme, Anlaufstellen, „Kein-Täter-werden"-Initiativen. Für Ephebophilie gibt es nichts. Dabei ist die Logik dieselbe: Wenn eine Präferenz nicht mitwächst, wenn jemand mit 40, 50, 60 immer noch auf 16- bis 19jährige fixiert ist, dann wird die Wahrscheinlichkeit einer echten, freiwilligen, gleichwertigen Beziehung verschwindend gering. Was bleibt, sind plumpes Anbaggern, Belästigungen oder gekaufte Arrangements.

Wir müssen also anfangen, über Ephebophilie genauso offen zu reden wie über Pädophilie. Nicht, um Menschen zu verteufeln, sondern um klarzumachen: Das ist nicht „normal". Das ist ein Problem. Ein Problem für die jungen Menschen, die als Projektionsfläche dienen. Ein Problem für die Gesellschaft, die noch durch Werbung, Social Media, Pornografie und eben auch KI-Bilder auf extrem junge Körper prägt. Und ein Problem für die Männer selbst, die sich in einer Fantasie verlieren, die in der Realität fast nie Gegenseitigkeit finden wird.

Es geht mir nicht um Dämonisierung der Männer, nicht um Schimpfen über Mädchen die ihren veränderten Körper gern ein bisschen präsentieren, sondern eher um großräumige Kritik an Plattformen, die solche Bilder und solche Bot-Profile zulassen und ganz besonders um eine gesellschaftliche Debatte darüber, das es wirklich problematisch viele Ü40 Leute zu geben scheint, die auf Körper unter 20 Jahren stehen.

Die Fragen am Ende sind einfach:

Wenn wir für Pädophilie Präventionsprogramme haben – was machen wir mit Ephebophilie?

Wollen wir weiter so tun, als sei das harmlos, weil die Objekte der Begierde „fast erwachsen" aussehen?

Oder schaffen wir Strukturen, die klar benennen: Das ist keine normale Präferenz, das ist eine gefährliche Fixierung, die Gegenseitigkeit fast ausschließt?

Ohne diese Diskussion wird sich nichts ändern.


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