117 §218 und Sterilisation - Eine Diskussionsgrundlage über Selbstbestimmung
Es gibt kaum ein Thema, das mich so regelmäßig in Rage bringt wie die Frage nach der Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Immer wieder lande ich bei den Paragrafen 218 und 218a. Ja, ich bin Demokrat, und ich akzeptiere, dass gesamtgesellschaftlich entschieden werden muss, wie wir mit Schwangerschaftsabbrüchen umgehen. Ich akzeptiere auch, dass Männer mitreden dürfen, wenn es um ethische Fragen geht – so wie ich akzeptiere, dass Theologen, Juristen und Ärzte - jeweils auch unterschiedlichen Geschlechts - Teil von Ethikkommissionen sind. Aber eines akzeptiere ich nicht: dass jemand anderes als ich selbst über meinen Körper bestimmt.
Es
ist für mich ein Widerspruch ohne Ende. Ich darf in Deutschland über
meinen Tod entscheiden. Es ist nicht strafbar, wenn ich mich selbst
töte. Ich darf mir mein Leben nehmen, wenn ich die Grenze überschreite,
an der ich nicht mehr weitergehen will. Aber es ist schwer, mich
sterilisieren zu lassen. Es ist nicht verboten, aber Ärzte verweigern es
regelmäßig, mit der Begründung, ich könnte es später bereuen. Als ob
Reue kein Teil von Selbstbestimmung wäre. Natürlich kann man es später
bereuen – eine Sterilisation genauso wie eine Nasen-OP. Ja, dann bereut
man es halt. Dann ist es mein eigener Fehler. Dann leide ich, nicht die
Gesellschaft. Reue ist kein legitimer Grund für Fremdbestimmung.
Wie
seht ihr das: Gehört das Recht, auch irreversible Entscheidungen zu
treffen, untrennbar zur Selbstbestimmung – oder sollte der Staat hier
„schützend" eingreifen?
Und
bei Schwangerschaftsabbrüchen wird es noch absurder. Ein Embryo, der
ohne meinen Körper nicht existieren kann, wird über mich gestellt.
Plötzlich gilt nicht mehr, dass ich als Bürger ein vollständiger Mensch
bin, der über sich entscheidet. Plötzlich heißt es, die Gesellschaft
müsse entscheiden, ob ich Brutkasten sein muss oder nicht. Das ist
paternalistisches Denken in Reinform: Frauen können angeblich nicht
selbst wissen, ob sie ihre Fortpflanzungsfähigkeit nutzen wollen.
Welche
Rolle sollte die Gesellschaft hier überhaupt haben: Grenzen setzen –
oder den individuellen Willen vollständig respektieren?
Ich
erkenne an, dass Ärzte ein eigenes Berufsethos haben. „Primum non
nocere" – zuerst nicht schaden. Abtreibungen und Sterilisationen können
sich wie „zerstörende Eingriffe" anfühlen. Aber genau dieses Argument
wirkt hohl, wenn man sieht, dass plastische Chirurgie tagtäglich
irreversible Eingriffe vornimmt: Nasen werden verkleinert, Brüste
vergrößert, Gewebe entfernt. Momentan gibt es fast einen Trend zur
Magenverkleinerung, wo es schon gar nicht mehr nur um plastische
Chirurgie geht. Alles legal, alles auf Wunsch des Patienten. Niemand
sagt dort: „Vielleicht bereust du es später." Es gilt: Dein Körper,
deine Entscheidung, dein Risiko.
Ist es nicht eine
Doppelmoral, dass plastische Eingriffe selbstverständlich erlaubt sind,
während Sterilisationen oder Abtreibungen noch immer als moralisch
„problematisch" gelten?
Und
dann kommt immer wieder die Frage nach den Fristen. Normalerweise sage
ich: Das überlasse ich Ethikkommissionen, dafür haben wir Demokratie.
Aber ich will zum ersten Mal meine persönliche Linie öffentlich
benennen: Sobald ein Embryo ohne meinen Körper lebensfähig ist, sollte
ein Abbruch nicht mehr möglich sein. Vorher muss es die Entscheidung der
Frau sein. Juristisch und medizinisch können sicher immer Ausnahmen
formuliert werden. Aber es ist nur meine persönliche Grenze als Bürger,
die ich in die Diskussion einbringe, mehr nicht.
Wo würdet ihr persönlich diese Grenze ziehen – und warum?
Meine Kritik richtet sich also nicht gegen Fristen im Detail, sondern dagegen, dass Abtreibung überhaupt im Strafgesetzbuch steht – als Straftat mit Ausnahmen, statt als selbstverständlicher Bereich von Selbstbestimmung. Und meine Kritik richtet sich dagegen, dass es immer noch so schwer ist, sich sterilisieren zu lassen.
Ich
will diese Diskussion. Mit Konservativen, mit Lebensschützern, mit
Ärztinnen und Ärzten. Aber ich will, dass sie anerkennen: Ich bin ein
vollständiger Mensch. Ich habe einen Körper. Und die Entscheidung, was
in diesem Körper geschieht, muss bei mir liegen.
Welche Argumente würdet ihr gegen meine Sichtweise ins Feld führen – und welche dafür?
Kommentare
Kommentar veröffentlichen