069 DBT - Grundlagen aus meiner Sicht
Grundlagen der DBT
1. Dialektisch denken – Widersprüche aushalten
Die erste Grundvoraussetzung, um DBT überhaupt zu verstehen, ist ein Umdenken: Weg von Schwarz-Weiß, hin zu Widersprüchen. Die DBT ist keine einfache „Wenn-dann"-Logik, sondern fußt auf einer dialektischen Betrachtungsweise – einem Denken in Spannungsfeldern. Zwei scheinbar gegensätzliche Wahrheiten können gleichzeitig wahr sein. Ich kann mich z. B. völlig überfordert fühlen – und gleichzeitig Verantwortung für mein Verhalten übernehmen. Ich kann mich hassen – und mich gleichzeitig bemühen, für mich zu sorgen. Ich kann Veränderung wollen – und mir gleichzeitig wünschen, dass alles so bleibt, wie es ist. In der DBT werden diese inneren Widersprüche nicht als Hindernis gesehen, sondern als Ausgangspunkt für Heilung. Genau dieser Spannungsbogen – das sowohl als auch – ist die Basis der Therapie.
Diese Haltung ist nicht bequem. Heutzutage scheint mir selbst bei Nicht-Borderlinern Schwarz-Weiß-Denken verbreiteter als es für unsere Gesellschaft gesund sein kann. Dialektik bedeutet, dass einfache Lösungen oft nicht ausreichen. Die Wahrheit ist nicht klar, nicht eindeutig, nicht objektiv – sie ist immer subjektiv, immer gebunden an Perspektive, Kontext, Biografie. In der DBT ist das keine Schwäche, sondern ein akzeptierter Ausgangspunkt. Der Therapieraum wird so zum Ort, an dem Widersprüche ausgehalten, reflektiert und integriert werden. Genau das bedeutet „dialektisch".
2. Annahme und Veränderung – kein Widerspruch
Ein zentrales Bild der DBT ist die Wippe zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite steht die radikale Annahme der Realität, auf der anderen das aktive Drängen auf Veränderung. Viele Therapien setzen auf eines von beidem. Die DBT besteht darauf, dass beides zugleich nötig ist. Veränderung ohne Akzeptanz führt zu Selbstverleugnung. Akzeptanz ohne Veränderung führt zu Stillstand. Nur wer bereit ist, das Jetzt als real und unveränderlich zu akzeptieren, kann gleichzeitig sinnvoll beginnen, es zu verändern, ab jetzt. Das klingt genauso paradox wie es sich anfühlt. Aber genau das ist der dialektische Weg: nicht entweder – oder, sondern sowohl – als auch.
3. Mit welcher Einstellung sollte man starten
Grundannahmen zu sich selbst:
– du gibst bereist dein Bestes.
– Du willst dich verändern.
– Deine Schwierigkeiten sind real – und schwer auszuhalten.
– Veränderung ist möglich, auch wenn sie viel Mühe kostet.
– Auch wenn andere Schuld an vielem tragen: Es lohnt sich, die Verantwortung fürs eigene Leben zu übernehmen.
– DBT kann (unterschieden zu: wird sicher, oder muss) helfen.
– Wahrheit ist subjektiv.
Diese Haltungen mögen selbstverständlich klingen, sind es aber nicht – vor allem nicht für Menschen, die sich selbst oft ablehnen, sich als „hoffnungslos" erleben oder von anderen als schwierig abgestempelt wurden. Die Grundannahmen stellen sich dem entgegen: Sie geben Selbstachtung zurück. Und sie fordern zugleich viel von dir. Denn wer ernst genommen wird, bekommt nicht nur Mitgefühl, sondern auch Aufgaben.
4. Selbstverantwortung als Grundlage
DBT beginnt nicht mit dem großen Ziel der Heilung. Sie beginnt mit Selbstkontrolle. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Verhalten – nicht für die Umstände, nicht für die Vergangenheit, aber für das eigene Tun im Jetzt. Auch wenn andere mitverantwortlich sind für den Schmerz: Die Veränderung kann nur von innen kommen. Das ist nicht fair – aber realistisch. In diesem Sinn ist DBT radikal: Sie überfordert nicht, aber sie beschönigt auch nichts. Wer teilnehmen will, muss bereit sein, sich selbst in den Mittelpunkt der Veränderung zu stellen.
Sie lernt einem Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortlichkeit und ein Gefühl von Freiheit, dass ich vorher nie kannte. Der Weg dahin ist als Mensch mit Borderline, einem miesen Selbstwert, Selbsthass bis zum Anschlag und sozialer Phobie sehr schwer. Ich weiß nicht wie schwer er für andere wäre, aber wenn du schon lange leidest, dann lohnt sich der Weg auf jeden Fall.
5. Modulaufbau
Die
DBT ist wie Studiengänge an der Fachhochschule in Module gegliedert.
Das grundlegende Modul „Achtsamkeit" ist der Einstieg, ohne das geht es
wirklich nicht. Ich werde hier mindestens noch auf die Module
„Zwischenmenschliche Fertigkeiten" und „Umgang mit Gefühlen" eingehen.
Aber sicher auch noch mehr Aspekte beleuchten.
Es wird keine 1:1 Wiedergabe des Manuals, sondern eine Herausarbeitung dessen, was – wie ich glaube – vielen helfen könnte.
Fazit
Lohnt
sich wenn du leidest. Lohnt sich wenn du wirklich bereit bist zu ackern
und üben, für neue Denkmuster, die dir helfen besser klar zu kommen.
Solltest du bereits prima klar kommen, dann kannst du es natürlich auch aus Spaß lesen.
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