062 Sucht: Kippen, gefährlicher und ungefährlicher zugleich
Man kann fast sagen, das mein jahrzehntelanges Dauerqualmen thematisch eine Erholung für mich darstellt. Nicht weil aufhören damit leicht wäre, das ist es beileibe nicht und davon soll der Text handeln, nicht weil es wenig gesundheitliche Gefahren bergen würde, jährlich über 100.000 Tote durch Tabakrauch in Deutschland sprechen da eine deutliche Sprache. Sondern weil das Rauchen beenden nicht diese lebensverändernden Auswirkungen auf das Sozialleben hat, wie das Nicht-Trinken. Nicht-rauchen hat auch da gewisse Wirkung - dazu komme ich noch - aber es ist kein Vergleich.
Und nach diesem Thema kommen die nicht substanzgebundenen Süchte bei mir:
- Selbstverletzungen,
bzw. der Drang danach sind bei mir untrennbar mit meinem Selbsthass und
meinem Bedürfnis nach Strafe bei Fehlern verbunden. Das geht nicht weg,
nur weil man die Handlung nicht mehr ausübt.
- Mediensucht, ich möchte den Medienkonsum nicht einstellen, dennoch besteht jedes Mal die Gefahr, dass ich wieder reinrutsche
- Binge Eating, bulimische Phasen, Esssucht;
die perfidesten Süchte in meinem Universum, ich KANN den Suchtstoff
nicht weglassen, ich muss mich der Suchtgefahr jeden Tag aussetzen
Ich denke jetzt wird klar warum ich nun recht entspannt über meinen Kippen-Konsum reden werde, der 25 Jahre andauerte, in denen ich die meiste Zeit Kettenraucher war.
Angefangen hab ich gar nicht so früh, erst mit 17, aber ich hatte auch erst sehr spät angefangen ein Sozialleben zu entwickeln und mit 17 schon stark alkoholgestützt wollte ich nicht nur dazugehören, Rauchen passt schlichtweg zu meinem Selbstbild, meinem Image, ob mein Image zu mir passt, müsst ihr beurteilen:
- unkonventionell
- unspießig
- außer der Reihe denkend
- leicht rebellisch
- ein Assi, ein Prolet, nennt es wie ihr wollt
- ein Außenseiter, weil ihr es so wolltet, nun weil ich es so will
usw.
Ich
qualmte weg, was ging, ich setzte mir kein Limit, bis ich 2021 auf
Lithium eingestellt wurde, hatte ich eh latente Suizidgedanken, da ist
die Annahme durch Kippen-Konsum früh zu sterben eine rosige Aussicht.
Doch dann verschwanden diese Gedanken und ein Gedanke an eine zweite
Aufgabe im Leben (erste ist Geschichten sammeln und erzählen, Teil von
Lebensgeschichten sein und andere zum Teil meiner Geschichte machen),
die ich mir selbst stellen wollte ploppte in mir auf:
Ich möchte 90 Jahre alt werden,
ich will wissen wie und ob die Menschheit es aus diesem Jammertal
herausschafft, oder nicht. Diese Zeiten, in den Politik einer
Satiresendung gleicht, hat sich niemand ausgesucht, aber da ich schon
drin bin, wollte ich Zeitzeuge sein.
Im Dezember 2024 ging es mir emotional miserabel, die Beziehung zwischen Pete und mir konnte man kaum noch so nennen, meine gesetzliche Betreuerin baute einen Bockmist nach dem anderen, der neuen Mitarbeitenden der AWO vom betreuten Wohnen traute ich nicht wirklich, der Zustand meiner Wohnung kippte mal wieder Richtung: "Ich glaube ich ziehe wieder ins stationär betreute Wohnen."
Am 22.12. reichte es mir und hier kommen wir zum Hauptgrund für das Aufhören. Es war spät, ich hatte den ganzen Tag gestreamt, keinen Tabak mehr. Um 23 Uhr schließt die Tanke hier vor Ort, es hatte Minusgrade... ich dachte: "Will ich WIRKLICH so abhängig von irgendwas sein, dass ich JETZT rausgehe und mir diesen Scheiß hole?".
Hier ein Streamausschnitt nach der Entscheidung:
https://youtu.be/JO1vQF8Waks?si=b0unMWwfg_HIenb9&t=594
(Da Wattpad keine funktionierenden Links im Text bietet, verlinke ich noch mal im Kommentar)
Nichtrauchen ist grausam schwer für mich, es ist auch heute (Stand 11.07.25, 9:54 Uhr) nicht weg, dieses Verlangen, besonders wenn ich nervös bin, oder grad darauf warte, dass mein PC irgendwas fertig rechnet. Die Gewohnheitskippe zum Kaffee fällt langsam aus den automatischen Gedanken, aber Nichtrauchen ist Hölle.
Trotzdem, wenn ich komplett zurückfallen sollte, bricht keine Welt für mich... was sie bei all meinen anderen Süchten täte.
Ich hab nur keinen Bock mir jeden Tag von einer Substanz mein Leben vorschreiben zu lassen.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen