050 Spawnpunkt ist alles

 

Die Spawnpunkt-"Theorie"

1. Ursprung des Begriffs

Der Satz fiel irgendwann in einem der ewigen Telefonate zwischen Zero und mir. Wir führen viele davon, manchmal Stunden, manchmal ziellos, aber nie ganz umsonst. Es ging wohl um irgendein Spiel, vermutlich Ark: Survival Evolved, aber das ist eigentlich egal. Entscheidend war die Beobachtung: Man spawnt dort manchmal und wird direkt gefressen. Nicht: man läuft fünf Meter und wird gefressen, sondern: man spawnt – und ist schon tot. Irgendwer von uns sagte dann diesen Satz: Spawnpunkt ist alles. Und einer von uns ergänzte: wie im echten Leben

2. Kernaussage

Denn genau so ist es. Natürlich kann man im späteren Leben einiges beeinflussen. Natürlich ist nicht alles verloren. Aber wer mit einem beschissenen Spawnpunkt startet, ist im Nachteil und zwar massiv. Ich rede hier nicht von Lebensgefühl oder Optimismus, sondern von harten Bedingungen. Der Spawnpunkt entscheidet, in welchem Staat du geboren wirst, in welcher Kultur, in welcher Gesellschaftsschicht, mit welcher Religion, mit welcher Sprache, mit welcher Geschichte deines Volkes, mit welchen körperlichen Einschränkungen. Er entscheidet, ob deine Eltern gewalttätig sind, ob sie gebildet oder ungebildet sind, ob sie reich oder arm sind, ob sie etabliert sind oder eher sozial isoliert. Es entscheidet, ob du Migrationshintergrund hast oder nicht – oder ob nur ein Elternteil betroffen ist. Alles, was an diesem Ort, in diesem Moment deines Lebensstartes vorhanden ist, hat Einfluss. Der weitere Lebensverlauf ist nicht komplett festgelegt, aber alles, was du tust, spielt sich auf diesem Fundament ab. Ich sage nicht, dass man keine Verantwortung trägt. Aber nichts, was du später entscheidest, hat so viel Impact auf dein Leben wie dein Spawnpunkt. Und du hast nichts dafür getan. Nichts Gutes, nichts Schlechtes. Du wurdest einfach da reingesetzt. 

3. Beispiel aus meiner eigenen Biografie:

Ich selbst bin als Kartoffel-Kartoffel in Franken gespawnt, mit Eltern, die chaotisch und gewalttätig waren, aber auch eine gewisse Bildung mitbrachten. Wir waren nicht komplett arm, aber auch weit entfernt von allem, was man als gesichert bezeichnen könnte. Ich habe Deutsch als Muttersprache gelernt, ich hatte ein bäuerliches, dörfliches Umfeld – das sind Spawnbedingungen. Und ich habe nichts dafür getan. 

4. Bist du stolz auf deine Abstammung:

Etwa so sehr wie auf meine Augenfarbe, denn dafür kann ich nichts, dafür hab ich nichts verbrochen oder geleistet. Und trotzdem tun Menschen so, als könnte man auf sowas stolz sein. Blut und Ehre, Herkunft, Abstammung – all dieser Unsinn. Als wäre Herkunft eine Leistung. Ich frage mich: Wo ist denn deine Leistung bei deiner fucking Abstammung? Spawnpunkt ist alles, aber kein Grund für Stolz.

Das ist keine Theorie, die auf wissenschaftlichen Modellen basiert, sondern eine einfache Beobachtung, die jeder nachvollziehen kann – wenn er will. Und ja, man kann es auch als Element eines Spiels betrachten. Manche würden sagen, es ist Teil meines RPG Real Life. Aber vor allem ist es: Realität.


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