Kapitel 5 Funktionieren bis zum Zerbrechen Alkohol war nichts Besonderes. Er gehörte einfach dazu. Auf dem Dorf, in meiner Generation, war es normal, spätestens mit fünfzehn, sechzehn am Wochenende zu trinken. Wenn man zusammen saß, trank man. Wer nicht trank, fiel eher auf als jemand, der es tat. Für mich war Alkohol von Anfang an Selbstmedikation. Er machte Gespräche leichter, senkte die Anspannung, ließ mich weniger darüber nachdenken, wie ich wirke, ob ich passe, ob ich falsch bin. Andere Menschen mögen mich lieber, wenn ich nicht nüchtern bin. Während der Ausbildung blieb das so. Trinken war etwas für Wochenenden, für Situationen, in denen man unter Menschen war. Wenn ich aus irgendeinem Grund nicht trinken konnte, wenn ich mit anderen zusammen war fühlte ich mich unwohl. Das änderte sich nicht abrupt, sondern schleichend. Mit dem Abitur auf der Berufsoberschule begann eine Phase, in der mein Leben insgesamt enger wurde. Zur Schule waren es 60 km einfach, ich pendelte lange Streck...
Gewogen, gemessen und als nicht gut genug befunden Nutzlos. Schädlich. Dann lasst mich. Ich entscheide mich für den Dämon. LG Anne Warum ich mich für den Dämon entschied: TRIGGERWARNUNG! Ich hatte also noch nicht mal das geschafft... nicht mal mich selbst aus dieser Welt nehmen bekam ich hin. Versager - einfach nur ein Versager, in einfach allem. Nun saß ich hier in der Psychiatrie unter Tavor, schaffte es nicht mal zu lesen, ich der Bücherfresser, aber mir ging es einigermaßen okay, mir war ziemlich alles egal, Tavor ist echt ne Scheißegal-Pille, man fühlt nicht mehr, man kann noch ein bisschen denken durch Watte. Ich war da, die Welt war draußen, ich war drin und ich war zum ersten Mal seit vielen Jahren glücklich, weil ich Ruhe vor der Welt hatte. Es gibt zwei Menschen, die mir direkt nach dem Suizidversuch 2009 geholfen haben zu überleben und denen ich immer noch sehr dankbar bin. Aber es hinterließ immer so ein bisschen ungesagt: "Was hast du uns nur angetan?". Auch bei...
Kapitel 1 Bevor es mich gab Meine Eltern haben sich noch als Kinder auf einem Bauernhof kennengelernt, weil sie beide arbeiten mussten. Die Nachkriegszeit kannte da keine Gnade. Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits geprägt von einer Kindheit, die ich mir nur schwer vorstellen kann, obwohl ich sie oft erzählt bekommen habe. Sie wurde 1940 geboren, mitten in den Krieg hinein, und ihre frühen Erinnerungen handeln von Dunkelheit im Keller, von Angst, von nicht den Radiosender einstellen dürfen und von Erwachsenen, die selbst Angst hatten. Ihre Eltern waren überzeugte, ich denke das kann ich so sagen, Nationalsozialisten, und blieben es auch bis zu ihrem Tod, die Erziehung war hart, autoritär, durchdrungen von der schwarzen Pädagogik jener Zeit. Hunger, körperliche Arbeit schon als Kind, auch schon früh fast und dann komplett den ganzen Haushalt führen, und auch Misshandlungen, all das gehörte zu ihrem Alltag. Sie liebte aber auch Bücher, Kino, Musik (besonders Rock...
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