324 Was meint ihr eigentlich mit Männerhass?
Ich habe hier einmal aufgeschrieben, was ich darunter verstehe und was für mich ausdrücklich noch kein Männerhass ist. Vieles davon kann unfair sein. Vieles kann dumm sein. Manches kann verletzend sein. Einiges davon sollte man sich vielleicht tatsächlich verkneifen. Aber wenn wir all das schon Männerhass nennen, was wollen wir damit erreichen?
Und vor allem: Was meint ihr eigentlich mit Männerhass und was soll durch die Bezeichnung erreicht werden?
Vielleicht sollten wir darüber tatsächlich einmal reden. Nicht darüber, ob jemand „auf der richtigen Seite“ steht, sondern darüber, was wir überhaupt meinen, wenn wir das Wort Hass benutzen. Weil wir alle zum Glück in Bezug auf den Begriff "Frauenhass" sensibilisierter sind, habe ich Beispiele mit Äußerungen über Frauen mit aufgeführt. Ich bin auf eure Einschätzungen gespannt:
1. Persönliche Präferenz
„Ich möchte keine Männer daten.“ „Ich möchte keine Frauen daten.“
→ Kein Hass. Das ist zunächst einmal eine persönliche Entscheidung.
2. Persönliche Erfahrung
„Ich habe schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht.“ „Meine letzten Beziehungen mit Frauen waren katastrophal.“
→ Kein Hass. Die Erfahrung kann richtig, falsch, einseitig oder unvollständig durchdacht sein. Sie bleibt zunächst eine Erfahrung.
3. Vermeidung / persönliche Grenze
„Deshalb rede ich momentan nicht gerne mit Männern.“ „Ich möchte mit Frauen erst einmal nichts zu tun haben.“
→ Kein Hass. Man darf Menschen meiden. Die interessante Frage wäre höchstens, ob die Person selbst unter dieser Vermeidung leidet und etwas daran verändern möchte. Aber das ist ihr Problem, nicht automatisch ein moralisches Urteil über die Gruppe.
4. Angst und Misstrauen
„Ich habe Angst vor Männern.“ „Ich vertraue Frauen nicht.“
→ Ebenfalls kein Hass. Die Angst kann nachvollziehbare Gründe haben, unfaire Gründe, oder gar keinen für die betroffene Person bekannten Grund. Angst ist ein Gefühl, dass sich manchmal nicht logisch herleiten lässt und auch nicht lassen muss.
Aber etwas ist hier sehr wichtig:
Angst kann zu Hass werden. Aber Angst IST NICHT Hass.
Wenn man also Angst vor einer bestimmten Menschengruppe hat, könnte man an der Angstbewältigung arbeiten, das ist aber die Angelegenheit der betroffenen Person und kein Grund ihr Hass zuzuschreiben.
5. Flapsige Verallgemeinerung / Klischee
„Männer sind halt so.“ „Frauen sind halt so.“
„Männer sind unordentlicher.“ „Frauen sind pedantischer.“
→ Nicht automatisch Hass. Aber oft auch nicht besonders klug. Und genau hier kann ein kleiner Selbstcheck hinein:
Will ich aus meinem momentanen Ärger eine Aussage über Milliarden von Menschen machen?
Ich muss gestehen mir sind solche Sätze auch schon entfleucht, aber es ist gut wenn mich dann jemand an die geringe Aussagekraft einer solchen Plattitüde erinnerte, weshalb ich das auch immer bei anderen tue.
6. Polemische Zuspitzung / Provokation
„Männer sind noch nicht einsam genug.“
„Männer tun echt alles, um nicht in Therapie zu müssen.“
„Nicht alle Männer, aber immer ein Mann.“
→ Nicht automatisch Hass. Solche Aussagen sind oft bewusst übertrieben, pauschalisiert und provokant formuliert. Das macht sie nicht automatisch sachlich richtig oder besonders klug. Man kann und sollte sie kritisieren, solche Aussagen sollen ja eine innere Beschäftigung mit dem Thema verursachen. Genau deshalb habe ich ja den ersten Satz schon als Überschrift einer meiner Texte verwendet. (https://feddit.org/post/28706776) Von solcher Polemik bin ich mittlerweile wieder weg. Es ist meinem Kommunikationsziel nicht zuträglich. Das heißt nicht das ich solche provokanten Äußerungen grundsätzlich für schlecht befinde, aber sie erzeugen für mich persönlich zu häufig eher Identitätsabwehr als echtes Nachdenken über das Thema.
7. Pauschalisierende oder stereotype Abwertung
„Männer können sich eben nicht beherrschen.“ „Frauen agieren immer zu emotional.“
„Männer sind eben keine guten Elternteile.“ „Frauen daten nur körperlich und finanziell attraktive Männer.“
→ Hier wird es deutlich problematischer. Das sind pauschale Zuschreibungen mit starken sexistischen und/oder abwertenden Konnotationen. Aber auch hier würde ich noch nicht automatisch sagen: Hass. Aber schon wirklich diskussionswürdig.
Und dann kommt meine Grenze:
8. Gruppenhass
„Männer sind Tiere.“ „Frauen sind nicht zurechnungsfähig.“
„Alle Männer sind Triebtäter.“ „Frauen sind manipulative Schlampen und nutzen Männer nur aus.“
Hier wird nicht mehr gesagt: „Ich hatte schlechte Erfahrungen.“
Hier wird gesagt: „Diese Menschen sind aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser Gruppe schlechter.“
Und dann die verschärfte Form:
9. Gruppenhass mit Legitimierung von Schaden
„Männer haben es verdient, geschlagen zu werden.“ „Frauen darf man schlagen, damit sie lernen.“
„Alle Männer gehören weggesperrt.“ „Frauen sollten keine Rechte haben.“
Da wird aus der Abwertung eine Rechtfertigung dafür, Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit schlecht zu behandeln.
Das ist dann tatsächlich eine sehr klare Grenze.
Eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: Humor, Ironie und Satire.
Manche Aussagen, die wörtlich gelesen eindeutig pauschalisierend oder sogar menschenfeindlich wirken, werden ironisch oder satirisch verwendet. Sie können bewusst übertreiben, um ein Klischee sichtbar zu machen, es lächerlich zu machen oder einen Widerspruch aufzuzeigen. Deshalb reicht es auch hier nicht immer, einen einzelnen Satz aus dem Zusammenhang zu ziehen und ihn wörtlich zu lesen.
Das bedeutet nicht, dass hinter Satire niemals echter Hass stecken kann. Natürlich kann jemand auch seine tatsächliche Abneigung humoristisch verpacken. Aber auch hier gilt für mich: Der Satz allein erzählt uns nicht immer, was die Person tatsächlich sagen will.
Und dann noch etwas zu statistischen Erkenntnissen, weil er einen wichtigen Denkfehler verhindert:
Nicht jede Aussage, die sich auf eine Gruppe bezieht, ist eine Aussage über den Wert ihrer Mitglieder.
„Männer sind bei bestimmten Gewaltdelikten statistisch überrepräsentiert“ ist eine Aussage über eine statistische Verteilung.
→„Männer sind gewalttätig“ macht daraus eine Eigenschaft.
→„Männer sind schlechte Menschen“ macht daraus eine moralische Abwertung.
→„Männer verdienen Gewalt“ macht daraus eine Rechtfertigung von Gewalt.
Das sind vier verschiedene Aussagen.
Doch durch all diese Betrachtungen sollte auch die ursprüngliche Frage endlich wirklich beantwortbar sein:
Was meint ihr eigentlich mit Männerhass?
Und wichtigere Fragen ergeben sich: Wenn jemand einen klischeehaften oder unfairen Satz über Männer schreibt und ich antworte sofort mit „Männerhasserin“, habe ich dann tatsächlich etwas für Männer getan? Habe ich das Klischee widerlegt? Habe ich die Person zum Nachdenken gebracht? Habe ich die Verständigung zwischen den Geschlechtern verbessert? Oder habe ich nur eine neue Front eröffnet, an der jetzt über das Wort „Hass“ gestritten wird?
Und noch eine kleine Fiesheit: Jemand KANN Männer tatsächlich und erwiesenermaßen hassen und doch eine richtige Aussage über Männer treffen.
Bekämpft das Klischee. Nicht den Menschen.
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