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Kapitel 4 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

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Kapitel 4 Sich den Ängsten stellen  In der Schule war ich also stets sehr isoliert und fand keinen wirklichen Anschluss. Mit siebzehn traf ich eine Entscheidung, die rückblickend absurd und folgerichtig zugleich war. Ich war schüchtern, unsicher, voller Scham, sozial unbeholfen und gleichzeitig jemand, der reden wollte, senden wollte, gesehen werden wollte, und genau deshalb entschied ich mich für eine Ausbildung, in der man mit Menschen zu tun hat, im direkten Kontakt, im Verkauf, im Gespräch, im Blickfeld anderer. Nicht, weil mir das lag, sondern weil mir klar war, dass die Gefahr bestand nur zu lernen wie man Kontakte aufbaut. In meiner Familie war klar, dass man einen Handwerksberuf lernt, etwas „Gescheites“, etwas, das trägt. Ich entschied mich für die Augenoptik, aus Leidenschaft für Brillen und weil sich dort mehrere Dinge trafen, die ich mir zutraute: präzises Arbeiten, technische Zusammenhänge, Strahlengänge, Mathematik, die mir später noch Probleme machen sollte, und eben...

Kapitel 3 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

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Kapitel 3  Du bist überflüssig Ich erinnere mich an meinen ersten Schultag. Ich sah die Buchstaben an der Wand, erkannte fast alle und dachte: „Das wird gut!“. Dann bekamen wir Sitzplätze und ich wusste schnell: „Das wird auch Hölle!“. Man sollte sich einen Platz suchen. Die anderen Kinder wussten offenbar, wohin sie gehörten, sie bewegten sich mit einer Selbstverständlichkeit, die mir fehlte. Ich war nicht im Kindergarten gewesen, kannte die unausgesprochenen Regeln nicht. Ich kam neu dazu und spürte zum ersten Mal, was mich seit dem begleitet: „Du bist hier nicht willkommen“.  Dass ich dort saß, war nicht von Dauer. Ich wurde umgesetzt, zwischen die Jungs. In diesem Alter ist das keine neutrale organisatorische Entscheidung, sondern eine weitere Markierung als „nicht passend“. Niemand sprach mit mir, aber die Botschaft war klar.  In den Pausen wich ich aus, nicht aus Überheblichkeit, sondern aus Überforderung. Ich wusste schlicht nicht, wie man Anschluss findet, und mei...

Kapitel 2 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

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Kapitel 2 Kindheit inmitten von Arbeit, Tieren und Verantwortungsbereichen Ich bin in eine Familie hineingeboren worden, in der Zuständigkeiten keine pädagogische Entscheidung waren, sondern sich schlicht aus der Anzahl der Menschen, der Menge an Arbeit und der begrenzten Zeit ergaben. Es gab viele Kinder, es gab die Nebenerwerbslandwirtschaft mit den Tieren, es gab einen Alltag, der funktionieren musste, und es gab Eltern, die selbst nie gelernt hatten, dass Kindheit ein geschützter Raum sein könnte. Entsprechend war auch meine eigene Kindheit weniger ein Schonraum als ein Mitlaufen, ein Dabeisein, ein Hineinwachsen in etwas, das längst in Bewegung war, bevor es mich gab.  Aufgezogen haben mich nicht in erster Linie meine Eltern, sondern vor allem meine Geschwister. Besonders meine älteste Schwester T und mein Bruder E waren früh Verantwortungspersonen für mich, später auch meine Schwester S und mein Bruder J. Sie haben mir Dinge beigebracht, die meist eher Eltern beibringen: lauf...

Kapitel 1 Kaputt geliefert. Trotzdem geblieben.

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Kapitel 1 Bevor es mich gab  Meine Eltern haben sich noch als Kinder auf einem Bauernhof kennengelernt, weil sie beide arbeiten mussten. Die Nachkriegszeit kannte da keine Gnade.  Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits geprägt von einer Kindheit, die ich mir nur schwer vorstellen kann, obwohl ich sie oft erzählt bekommen habe. Sie wurde 1940 geboren, mitten in den Krieg hinein, und ihre frühen Erinnerungen handeln von Dunkelheit im Keller, von Angst, von nicht den Radiosender einstellen dürfen und von Erwachsenen, die selbst Angst hatten. Ihre Eltern waren überzeugte, ich denke das kann ich so sagen, Nationalsozialisten, und blieben es auch bis zu ihrem Tod, die Erziehung war hart, autoritär, durchdrungen von der schwarzen Pädagogik jener Zeit. Hunger, körperliche Arbeit schon als Kind, auch schon früh fast und dann komplett den ganzen Haushalt führen, und auch Misshandlungen, all das gehörte zu ihrem Alltag.  Sie liebte aber auch Bücher, Kino, Musik (besonders Rock...

185 Ein Tonstudio ist keine Echokammer

Gerade erschien ein typischer Pop-Psychologie-Artikel auf meiner Startseite: https://www.glamour.de/artikel/persoenlichkeitstyp-echoist-so-erkennst-du-ihn [Glamour, 21. Januar 2026] Der erste Gedanke... och neee nicht schon wieder angebliche Narzissten. Doch mein zweiter Gedanke war tatsächlich: Echoisten, wie wunderbar, genau die suche ich. Menschen, die zuhören können. Die die Ball zurückspielen. Die Interesse zeigen. Fragen stellen. Beim Thema bleiben. Die Echo geben. Dann habe ich den Text überflogen. Und selbst dabei gemerkt: Das ist nicht das, was ich unter Echo verstehe. Was dort beschrieben wird, sind keine Menschen, die besonders gut Resonanz erzeugen. Es sind Menschen, bei denen Resonanz verschwindet. Menschen, die nicht spiegeln, sondern die Wirkung verschlucken. Die nichts zurückgeben, weil sie bloß niemanden stören wollen. Das ist kein Echo. Das ist Schallabsorption. Überspitzt gesagt: Wenn man so jemanden Echoist nennt, ist das ungefähr so, als würde man ein ...

184 Warum begann es ausgerechnet auf Wattpad und warum 'endet' es jetzt?

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Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das anfing. Wahrscheinlich 2020 oder 2021. Corona, Klinik, schlechtes WLAN, Netflix halb durch, alles irgendwie langweilig. Ich war früher eine Leseratte, aber meine Konzentrationsfähigkeit hatte in den letzten Jahren sehr gelitten, eventuell auch durch Psychopharmaka. Ich brauche selten Anregung wenn ich es mir selbst mache, aber wenn dann bringen Pornos eigentlich meist das Gegenteil von Erregung, sexuelle Stellen in Büchern allerdings sind der Shit in der Hinsicht für mich. Und dann habe ich mir gedacht: Es gibt doch sicher Lese-Apps. Irgendwo muss es doch genau solche Geschichten geben. So bin ich auf Wattpad gelandet. Später habe ich dort Fanfiction für mich entdeckt. Und zwar nicht irgendeine, sondern Marvel-Fanfiction. Vor allem Loki. Die Serie kam 2021 raus, ich habe sie damals mit Zero geguckt, und sie hat mich völlig erwischt. Diese Figur, zerrissen, stolz, verletzlich, klug, witzig, grausam – das war genau mein Geschmack. Un...

183 Tabakrauchen, Ersatzmethoden und meine Entscheidung

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  Ein persönlicher Essay zwischen Datenlage, Erfahrung und Harm Reduction Meine Frage Ich konsumiere gelegentlich THC und CBD. Nicht täglich, nicht als Selbstmedikation, sondern vergleichbar mit einem Feierabendbier oder einem Glas Wein bei manchen. Diese Form des Genusses möchte ich mir nicht verbieten. Was ich mir sehr wohl verbieten will, ist wieder Zigaretten zu rauchen. Nicht „ab und zu", nicht „kontrolliert", sondern so, wie ich es leider kenne. Jeden Tag teilweise vierzig selbst gedrehte Zigaretten. Das ist das, was ich vermeiden will. THC- und CBD-Genuss möchte ich trotzdem ermöglichen und das möglichst mit wenig Schaden für mich selbst. Gleichzeitig muss das praktikabel genug für mich sein, um das durchzuhalten. Meine bevorzugte Darreichungsform war lange der Joint mit Tabak. Er ist haptisch vertraut, ritualisiert, "geschmacklich" mein Favorit. Der Tabak ist für mich dabei kein neutraler Zusatz. Diese Erkenntnis ist nicht theoretisch, sie ist...