Morgen geht’s los. Ich fahre zwei Tage quer durch Deutschland und besuche vier Menschen, die mir wichtig sind, dabei sehe ich zum ersten Mal Salzburg und gehe endlich wieder in die Berge. Vor ein paar Jahren wäre so eine Reise für mich undenkbar gewesen. Aber nicht, weil ich heute mutiger bin. Ich habe immer noch soziale Ängste. Die Vorstellung, morgen und übermorgen stundenlang mit völlig fremden Menschen in einer Blechbüchse eingesperrt zu sein, löst in mir Beklemmung aus. Allerdings nicht Angst um meine physische Unversehrtheit, sondern Angst vor Blicken, vor Ausschluss, vorm Ausgelacht werden, davor, aufzufallen und nicht dazuzugehören. Und diese Angst ist nicht kleiner geworden. Sie ist größer geworden. Denn ich fahre durch Deutschland, mein geliebtes Land. Ich liebe die Landschaften, die Dialekte, die unterschiedlichen Küchen, die kleinen Eigenheiten jeder Region, sogar das Wetter irgendwie. Es ist mein Land, grün, wunderschön, ein bisschen spießig, immer etwas schlecht gelaunt....
18.09.2026 Mein Bruder E. (auch „Meister E.“, „alter Besen“, „genauester Mensch seit Erfindung der Taschenuhr“ oder „Mister Wasserwaage“ genannt) war zu der Zeit in Kur in Bad Reichenhall und rief mich an ob ich zu seinem Geburtstag im Oktober komme. Ich meinte „Nein, aber ich bin bald in der Nähe von Salzburg, vielleicht können wir uns da treffen.“ Er hat nämlich ein neues Spielzeug, ein E-Dreirad, mit dem er viel unterwegs ist. Und schon am ersten Tag nach meiner Ankunft meldete er sich kurz vor Salzburg zu sein. Wir waren grad nach einem Spaziergang am Attersee Einkaufen und mir war das auch etwas zu spontan, weil 1,5 h Fahrt uns trennten. Aber ein Treffen über 400 km von seinem und etwa 900 km von meinem entfernt ist so herrlich absurd, dass es auf jeden Fall eine legendäre Erzählung werden könnte. Ich hatte das Gefühl Michi wäre nicht begeistert, aber ich sagte ihr auch dass sie nicht mit muss. Mister Wasserwaage erzählte viel von seinem Fahrrad und einem Geschenk was er sehr mühe...
23.09.2026, 04:47 Uhr Ich verlasse die Wohnung von Michi, laufe mit viel zu viel Gepäck durch die Dunkelheit Richtung Bahnhof, weil die ganze Nacht immer wieder einen Satz im Kopf hatte: „ Ich will heim.“ Eigentlich wäre ich bis Freitag geblieben. Stattdessen sitze ich gleich fast 18 Stunden in Regionalbahnen und einem Bus, aus Österreich raus und einmal quer durch Deutschland bis nach Wilhelmshaven. Das hier ist keine Urlaubsrückfahrt. Es ist eine Heimkehr. Ich habe mir bei der Wanderung zur Alm ( Schön schön schön - Das mache ich nie wieder ) zu viel zugetraut, aber dadurch wurde mir noch klarer, dass ich mir insgesamt in den letzten Monaten zu viel vorgenommen hatte: zwei Umz ü g e , Hamburg, Wangerooge, Langeoog, Harz, Franken, Österreich. Seit Mai wohne ich in Wilhelmshaven und war gefühlt ständig woanders. Jetzt möchte ich zum ersten Mal dort einen Alltag anfangen. Die Challenge beginnt also heute: „Von den Alpen bis zum Wattenmeer“. Mal sehen, ob ich alle Umstiege meiste...
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